Kuba: Fast alle 110 Insassen bei Flugzeugabsturz gestorben

AFP
HAVANNA
Veröffentlicht 19.05.2018 09:40
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Bei einem Flugzeugabsturz in Kuba sind fast alle 110 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Die Boeing 737-200 stürzte am Freitag kurz nach ihrem Start in Havanna mit 104 Passagieren und sechs Besatzungsmitgliedern ab, wie die Behörden mitteilten. Drei Frauen wurden nach Angaben von Staatsmedien lebensgefährlich verletzt aus dem Flugzeugwrack geborgen. Kubas neuer Staatschef Miguel Diaz-Canel besuchte die Absturzstelle.

Die Boeing 737-200 war um 12.08 Uhr (18.08 Uhr MESZ) vom internationalen Flughafen in Havanna gestartet. Der Inlandsflug sollte ins 670 Kilometer östlich gelegene Holguín gehen. Kurz nach dem Abheben stürzte sie auf ein Feld in der Nähe des Flughafens José Marti, einer der Flügel war zwischen Baumstämmen verkeilt.

Eine dicke Wolke beißenden Rauchs stieg auf, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Das Flugzeug war fast komplett zerstört. Feuerwehrleute löschten aus dem Wrack lodernde Flammen, Rettungshelfer durchsuchten es nach Überlebenden.

Die staatliche Fluggesellschaft Cubana de Aviación hatte die Maschine samt Besatzung von der mexikanischen Airline Global Air, auch bekannt als Aerolíneas Damojh, gechartert. Das Flugzeug war laut Global Air 1979 gebaut worden und zuletzt im November in der Inspektion gewesen. Die Fluggesellschaft teilte in Mexiko-Stadt mit, dass sechs mexikanische Besatzungsmitglieder an Bord gewesen seien.

Laut kubanischen Staatsmedien handelte es sich bei den meisten Absturzopfern um Kubaner. Es gebe aber auch einige Ausländer, darunter zwei Argentinier, wie das argentinische Außenministerium bestätigte. Von offizieller Seite wurden die in den Staatsmedien genannten Überlebenden zunächst nicht bestätigt. Den Staatsmedien zufolge handelte es sich um drei Kubanerinnen.

Kubas neuer Staatschef Diaz-Canel eilte zur Absturzstelle. Es sehe nicht gut aus, es sei mit einer "hohen Zahl" an Opfern zu rechnen, sagte er AFP. Eine Untersuchung zur Absturzursache sowie die Identifizierung der Opfer seien eingeleitet worden. Für die Angehörigen der Opfer wurde eine Hotline eingerichtet.

Die kubanische Regierung rief eine zweitägige Staatstrauer aus, die am Samstag begann. Diaz-Canels Amtsvorgänger Raúl Castro sprach den Angehörigen der Opfer dieses "katastrophalen Unfalls" in einer Erklärung sein Mitgefühl aus. Auch die Regierungen in Mexiko, Venezuela und Kolumbien sowie der russische Staatschef Wladimir Putin kondolierten.

Augenzeugen zufolge war die Maschine abgestürzt, als sie die erste Kurve flog. Der 21-jährige Yasniel Diaz sagte, der Pilot habe offenbar noch eine Notlandung machen wollen, dies aber nicht mehr geschafft. Die folgende Explosion habe "alles erschüttert", sagte Diaz.

Mehrere Ärzte fuhren spontan zu der Absturzstelle, um den Rettungskräften zu helfen. "Es ist sehr schmerzhaft, hier anzukommen und diese Leichen zu sehen, diese Menschen", sagte einer von ihnen, José Luis Castellano, AFP.

Die Nachricht von dem Absturz sorgte auch in Mexiko für Erschütterung. In der Hauptstadt Mexiko-Stadt versammelten sich besorgte Kollegen und Angehörige von Mitarbeitern vor dem Sitz von Global Air. Einige weinten und hielten sich in den Armen. "Ich war mit dem Captain befreundet, mit dem Co-Pilot", sagte die 44-jährige Angestellte Ana Marlene Covarrubias. Mexiko schickte mehrere Luftfahrtspezialisten, die bei der Aufklärung der Absturzursache helfen sollen.

Zuletzt war in Kuba im April 2017 ein Transportflugzeug der Armee mit acht Menschen an Bord abgestürzt. 2010 waren beim Absturz einer Maschine der kubanischen Fluggesellschaft Aerocaribbean im Zentrum des Landes 68 Menschen ums Leben gekommen, darunter 28 Ausländer.

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