Neuer Istanbuler Flughafen wird zum türkischen Nationalfeiertag eingeweiht

DAILY SABAH MIT AFP
ISTANBUL
Veröffentlicht 27.10.2018 00:00
Aktualisiert 27.10.2018 15:11
DHA

Wenn er einmal komplett fertiggestellt ist, soll der neue Istanbuler Flughafen der größte der Welt sein. Zwei Terminals, sechs Startbahnen und eine Kapazität von 200 Millionen Passagieren im Jahr soll er erreichen.

Wenn Präsident Recep Tayyip Erdoğan den Airport am Schwarzen Meer zum türkischen Nationalfeiertag am Montag offiziell einweiht, wird aber zunächst alles eine Nummer kleiner sein.

Nur fünf Ziele will Turkish Airlines anfliegen, der große Umzug soll erst Ende Dezember erfolgen. Der reguläre Flugbetrieb startet dann Anfang Januar.

Mit dem Airport, der den kleineren Atatürk-Flughafen am Marmarameer ersetzen wird, soll Istanbul zu einem Luftdrehkreuz zwischen Europa und Asien werden. Für Erdoğan ist das Projekt im Norden von Istanbul ein wichtiger Schritt zur Schaffung einer "neuen Türkei". Zunächst sollen dort 90 Millionen Passagiere pro Jahr abgefertigt werden, nach Fertigstellung der letzten Baustufe 2028 soll diese Zahl auf 200 Millionen steigen.

Die Zahlen sind ambitioniert, doch besteht kein Zweifel, dass der neue Flughafen notwendig ist, um dem weltweit ständig steigenden Passagieraufkommen Herr zu werden. Turkish Airlines hat in den vergangenen Jahren massiv expandiert und zählt heute zu den führenden Fluglinien der Welt. Der bisherige Atatürk-Flughafen ist seit langem überlastet und kann nicht weiter ausgebaut werden, da er inmitten der Stadt liegt.

Nur drei Jahre hat der Bau des neuen Mega-Airports gedauert, doch am Ende gab es einige Verzögerungen. Proteste der Arbeiter gegen die miserablen Unterkünfte, die schlechten Arbeitsbedingungen und den hohen Zeitdruck, der immer wieder zu tödlichen Unfällen führte, sorgten im September für Unruhe. Diesen wurden später von der Opposition gegen die Regierung instrumentalisiert. Die Polizei nahm kurzzeitig hunderte protestierende Arbeiter fest, dann verschob die Flughafenleitung die Inbetriebnahme um zwei Monate.

Schon zuvor hatte das Prestigeprojekt für Kontroversen gesorgt: Umweltschützer kritisierten, dass für den Flughafen hunderttausende Bäume in den wenigen verbliebenen Wäldern um Istanbul gefällt, riesige Flächen versiegelt und die Vogelzugrouten über den Bosporus gestört würden. Die Flughafenfirma IGA betont dagegen, dass das 76 Quadratkilometer große Areal zumeist auf früheren Kohlegruben errichtet sei und daher die natürliche Umgebung nicht weiter beeinträchtige.

Kritik gab es auch an dem Standort, weil die Region an der Schwarzmeerküste oft neblig und windig ist. Zudem ist der Flughafen weit entfernt vom Istanbuler Stadtzentrum. Bis die Metro-Anbindung 2020 fertig ist, müssen die Passagiere mit dem Bus oder Taxi fahren - Fahrtzeit ohne Stau gut eine Stunde. Manche Istanbuler dürften daher künftig den zweiten internationalen Flughafen Sabiha Gökcen auf der asiatischen Seite vorziehen.

Der Flughafen gehört zu den Großprojekten, mit denen Erdoğan die Bosporus-Metropole modernisieren will. Bereits fertiggestellt wurde eine dritte Bosporus-Brücke und eine Autobahn am Schwarzen Meer, die den neuen Flughafen anbindet. Kritiker sehen darin vor allem einen Schritt zur Erschließung von neuem Bauland an der Küste, von dem vor allem Bauunternehmer profitieren dürften.

Mit Spannung erwartet wird die Namensgebung. Noch firmiert der Airport nur als Neuer Flughafen Istanbul, den eigentlichen Namen will Erdoğan am Montag bekannt geben. Diskutiert wurde über die Beibehaltung des Namens von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk, aber auch die Benennung nach Erdoğan selbst. Auch Sultan Abdülhamid II. wurde als Namenspatron ins Spiel gebracht.

Die zwei Monate bis zur eigentlichen Inbetriebnahme Anfang Januar wollen die Betreiber nun für einen Testlauf nutzen. Zunächst will Turkish Airlines drei Ziele im Inland sowie in Aserbaidschan und Nordzypern ansteuern. Der Umzug der Flugzeuge und Fahrzeuge soll dann innerhalb von 45 Stunden erfolgen. Anschließend soll der Atatürk-Flughafen geschlossen und in einen Park umgewandelt werden - so hat es Erdoğan versprochen.

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