Indien: 300 Millionen Menschen leiden unter Dürre

AFP
FRIEDRICHSDORF, Deutschland
Veröffentlicht 21.04.2016 16:23
Aktualisiert 22.04.2016 15:23
EPA

In Indien sind nach Angaben von Helfern mehr als 300 Millionen Menschen von der langanhaltenden Hitzewelle betroffen. Durch die Trockenheit seien mehrmals hintereinander die Ernten ausgefallen, warnte am Donnerstag die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision, die für ihre Projekte in dem Land die höchste Katastrophenwarnstufe ausrief.

World Vision zufolge begingen nach Regierungsangaben seit Anfang des Jahres mehr als 200 Bauern aus Verzweiflung Suizid. Besonders betroffen seien zudem Kinder in der Dürreregionen.

Ganz Südasien leidet derzeit unter dem Wetterphänomen El Niño und der dadurch ausgelösten Trockenheit. Indien ist laut World Vision besonders betroffen, vor allem die Bundesstaaten Uttar Pradesh, Madhya Pradesh und die Region Marathwada mit fast 30.000 Dörfern. In diesen Regionen gebe es kaum noch Trinkwasser, die meisten Brunnen seien ausgetrocknet; auch Tierfutter gehe zur Neige.

Viele Kinder zeigten bereits Anzeichen von Mangelernährung, teilte die Organisation mit. Insbesondere Vitamin A-Mangel sei ein Problem. Vitamin A ist wichtig für die Sehfähigkeit und zur Stärkung des Immunsystems.

Die Hälfte der Familien in den betroffenen Gebieten ernährt sich laut World Vision nur noch von Reis oder Kartoffeln. Linsen, die eine wichtige Protein-Quelle besonders für Kinder sind, seien so teuer, dass sich viele Menschen diese nicht mehr leisten könnten. Viele Kinder gingen nicht mehr zur Schule, da die Eltern nicht mehr in der Lage seien, für sie zu sorgen und die Schulgebühren zu zahlen.

Wegen des akuten Trinkwassermangels schöpfen viele Menschen demnach Wasser aus noch verbliebenen Wasserlöchern, die jedoch oft mit Krankheitskeimen verseucht seien. Dadurch nähmen Krankheiten zu. Die Regionalregierung schaffe bereits Trinkwasser mit Lastern und Zügen in die betroffenen Gebiete. Allerdings sei der Bedarf so hoch, dass besonders ländliche Gebiete oft nicht erreicht würden. Viele Menschen hätten inzwischen ihre Heimatdörfer verlassen, hieß es weiter.

Bei El Niño, der in unregelmäßigen Abständen auftritt, sammeln sich warme Wassermassen im zentralen und östlichen Pazifik, die Folge sind weltweite Wetterextreme. Die Vereinten Nationen hatten im November gewarnt, der diesjährige El Niño sei der schlimmste seit mehr als 15 Jahren und einer der stärksten seit 1950.

Zuletzt hatte El Niño vor fünf Jahren weitreichende Folgen: Er löste heftige Monsunregen in Südostasien aus, Dürren im Süden Australiens, auf den Philippinen und in Ecuador, enorme Überschwemmungen in Mexiko und Hitzewellen in Brasilien.

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen