Pakistan: Mindestens 20 Tote bei Anschlag auf Wahlkampfkundgebung

AFP
PESHAWAR, Pakistan
Veröffentlicht
EPA

Bei einem Selbstmordanschlag während einer Wahlkampfkundgebung im Nordwesten Pakistans sind mindestens 20 Menschen getötet worden. Mindestens 63 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Der Attentäter sprengte sich demnach während einer Veranstaltung der Awami-National-Partei (ANP) in der Stadt Peshawar in die Luft. Die Talibangruppe Tehreek-e-Taliban Pakistan bekannte sich zu dem Anschlag, der sich demzufolge gegen einen ANP-Politiker richtete.

Unter den Todesopfern sei der ANP-Politiker Haroon Bilour, sagte der Polizeichef von Peshawar, Qazi Jameel. Laut Polizei zündete der Attentäter seinen Sprengsatz, als Bilour am Dienstagabend vor rund 200 Anhängern eine Rede halten wollte. Nach offiziellen Angaben war der Angreifer etwa 16 Jahre alt und trug acht Kilogramm Sprengstoff bei sich.

Der Rechtsanwalt Bilour hatte für die Parlamentswahl am 25. Juli kandidieren wollen. Er entstammte einer einflussreichen Politikerfamilie aus der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa. Die pakistanischen Taliban erklärten, der Anschlag habe sich gegen den "wichtigen ANP-Anführer" Bilour gerichtet. Die Gruppe habe der ANP "den Krieg erklärt". Sie rief die Bevölkerung dazu auf, sich von der Partei fernzuhalten, "oder ihr seid selbst für eure Verluste verantwortlich".

Die ANP, die sich entschieden gegen terroristische Gruppen wie die Taliban wendet, war bereits wiederholt Ziel von Terroristen gewesen. Auch Bilours Vater, der ANP-Politiker Bashir Bilour, war 2012 bei einem Selbstmordanschlag getötet worden.

Wenige Stunden vor dem Anschlag hatte ein Sprecher des pakistanischen Militärs auf die prekäre Sicherheitslage vor der Parlamentswahl hingewiesen. Nach dem Anschlag waren im Fernsehen Krankenwagen zu sehen, die zum Anschlagsort rasten. Einige Menschen weinten. Ein AFP-Reporter vor Ort sah sterbliche Überreste von Opfern sowie Schuhe, Kopfbedeckungen und zerbrochene Stühle am Boden liegen.

Peshawar grenzt an die halbautonomen pakistanischen Stammesgebiete. Die schwer zugängliche Bergregion an der Grenze zu Afghanistan ist ein Rückzugsgebiet von Extremistengruppen aus beiden Ländern. Schmuggler und Drogenhändler nutzen die Stadt als Umschlagplatz.

Die Armee konnte die militanten Gruppen in den vergangenen Jahren zurückdrängen, doch werden in der Region immer wieder schwere Anschläge verübt. Sie richten sich meist gegen Politiker und Sicherheitskräfte. Aber auch religiöse Versammlungen und sogar Schulen waren Ziel von Anschlägen.

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