Christchurch: Islamfeindlicher Terrorist vor Gericht offiziell des Mordes beschuldigt

AFP
CHRISTCHURCH
Veröffentlicht 16.03.2019 11:28
Aktualisiert 16.03.2019 11:40
EPA

Nach dem Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch hat die Suche nach den Ursachen für die Bluttat mit 49 Todesopfern begonnen.

Der Attentäter, ein 28-jähriger Australier, wurde am Samstag vor einem Gericht offiziell des Mordes beschuldigt. Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern teilte mit, dass er für seine Waffen einen Waffenschein besessen habe und trotz extremistischer Aussagen nicht im Visier der Behörden gewesen sei.

Der Australier Brenton Tarrant erschien in Handschellen und in einem weißen Gefängnishemd vor dem Gericht in Christchurch und zeigte keine erkennbare Regung. Seine extremistische Gesinnung machte er mit einer Geste deutlich, die bei weißen Nationalisten in aller Welt gebräuchlich ist. Dabei werden die Spitzen von Daumen und Zeigefinger aufeinander gelegt, während die übrigen Finger der Hand nach unten zeigen.

Nach der Beschuldigung wegen Mordes dürften noch weitere Anklagepunkte gegen Tarrant folgen. Der Australier stellte keinen Antrag auf Freilassung gegen Kaution und bleibt weiter in Gewahrsam. Am 5. April soll er wieder vor Gericht erscheinen.

Der australische Regierungschef Scott Morrison hatte den Angreifer am Freitag als einen "extremistischen, rechtsgerichteten, gewalttätigen Terroristen" bezeichnet. Tarrant hatte in zwei Moscheen in Christchurch das Feuer eröffnet und 49 Menschen getötet, darunter Berichten zufolge auch Kinder. Der Attentäter filmte die Tat und veröffentlichte die Aufnahmen live im Internet. Den Anschlag hatte er vorab in einem Manifest begründet.

Außer Tarrant blieben zwei weitere Verdächtige in Haft. Ihre Rolle bei dem Anschlag wurde nicht erläutert. Einem 18-Jährigen wurde Aufwiegelung zur Last gelegt. Ein dritter Festgenommener wurde freigelassen. Dabei handelte es sich nach Angaben der Behörden um eine bewaffnete Person, die nach dem Anschlag lediglich hatte helfen wollen.

Nach dem Anschlag wurden am Samstag noch 39 Verletzte im Krankenhaus behandelt, darunter ein zweijähriger Junge und ein in Lebensgefahr schwebendes vierjähriges Mädchen. Die Todesopfer und Verletzten stammten aus zahlreichen Ländern, darunter die Türkei, Bangladesch und Saudi-Arabien. Polizeichef Mike Bush sagte, der "absolute Mut" von Polizisten und Zivilisten habe wahrscheinlich weitere Opfer verhindert.

Regierungschefin Ardern kündigte als Konsequenz aus dem Anschlag eine Verschärfung der Waffengesetze an. Tarrant hatte laut Ardern im November 2017 einen Waffenschein der Kategorie A erhalten und im folgenden Monat mit dem Kauf der fünf Waffen begonnen, die er bei dem Attentat benutzte. Dazu zählten zwei halbautomatische Waffen und zwei Shotguns. Ardern sagte, Tarrant habe die Waffen manipuliert, um sie noch tödlicher zu machen.

In Neuseeland kann jeder Bürger über 16 Jahren einen Waffenschein erhalten, wenn er zuvor einen Sicherheitskurs durchlaufen hat. Damit ist das Waffenrecht dort deutlich laxer als in Tarrants Heimatland Australien.

Ardern bestätigte, dass der Attentäter bislang nicht im Visier der neuseeländischen Sicherheitsbehörden gewesen sei, obwohl er sich im Internet extremistisch geäußert hatte. Es werde geprüft, ob der Mann den Behörden früher hätte auffallen müssen. Die australische Polizei sprach derweil mit Angehörigen von Tarrant und sah sich das Haus nördlich von Sydney an, wo er aufgewachsen war.

Ardern traf in einer Schule in Christchurch Überlebende des Anschlags und Angehörige von Opfern. Dabei trug sie einen schwarzen Schleier. Die somalischstämmige Neuseeländerin Sahra Ahmed sagte, der Besuch der Regierungschefin bedeute "sehr viel". Es sei "ein Signal zu sagen 'ich bin bei Euch'".

Auch viele andere Neuseeländer bekundeten ihr Mitgefühl, indem sie Blumen und Trauerbotschaften nahe der Al-Noor-Moschee niederlegten. "Es tut mir so leid, dass Ihr hier nicht sicher wart", stand auf einem der Zettel.

Der Imam der angegriffenen Moschee in Linwood gab ein klares Bekenntnis zu Neuseeland ab. "Wir lieben dieses Land nach wie vor", erklärte Ibrahim Abdul Halim. Zugleich bedankte er sich für die vielen Solidaritätsbekundungen der neuseeländischen Bevölkerung.

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