Neuseeland: Premierministerin Ardern will niemals Namen von Attentäter aussprechen

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CHRISTCHURCH
Veröffentlicht 19.03.2019 13:59
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Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern will niemals den Namen des Attentäters von Christchurch aussprechen.

"Mit seinem Terrorakt wollte er viele Dinge erreichen, eines davon war Bekanntheit", sagte Ardern am Dienstag bei einer Parlamentssitzung, die sie mit der arabischen Friedensbotschaft "As-Salaam Alaikum" eröffnete. "Deshalb werden Sie niemals hören, dass ich seinen Namen nenne." In Christchurch sollten unterdessen die ersten Todesopfer beigesetzt werden.

"Er ist ein Terrorist, er ist ein Krimineller, er ist ein Extremist", sagte Ardern. "Aber er wird, wenn ich spreche, namenlos sein", sagte die 38-jährige Regierungschefin über den 28-jährigen Attentäter, dem vorgeworfen wird, am Freitag in zwei Moscheen in Christchurch auf Gläubige geschossen und 50 Menschen getötet zu haben.

"Ich bitte Sie: Nennen Sie die Namen derer, die ihr Leben verloren, statt des Namens des Mannes, der sie auslöschte", sagte die schwarz gekleidete Ardern weiter. Zugleich kündigte sie an, der Attentäter habe in Neuseeland mit "der ganzen Härte des Gesetzes" zu rechnen.

Der mutmaßliche Attentäter, der australische Rechtsextremist Brenton Tarrant, war noch am Freitag festgenommen worden. Ihm droht lebenslange Haft. Vor Gericht will er sich selbst verteidigen. Seine Bluttat hatte er gefilmt und live im Internet übertragen.

Ardern sagte im Parlament, der Anschlag auf die Moscheen sei der schlimmste "Terrorakt" in der Geschichte Neuseelands gewesen. Er habe zudem einige "Schwächen" der neuseeländischen Waffengesetze offenbart.

Ardern hatte schon kurz nach den Anschlägen schärfere Waffengesetze in Aussicht gestellt. Details sollen bis kommende Woche vorgelegt werden. In Erwägung gezogen werden Waffenrückkäufe und ein Verbot einiger halbautomatischer Waffen, wie die Premierministerin sagte.

Viele Neuseeländer reagierten bereits auf einen Aufruf der Regierung, ihre Waffen abzugeben. Nach Angaben der Polizei liegen noch keine Informationen zur Zahl der seit Freitag abgegebenen Waffen vor. Die Polizei forderte Waffenbesitzer aber auf, sich angesichts der verschärften Sicherheitslage und der "aktuellen Umstände" unbedingt vorher bei der Polizei zu melden, "bevor sie versuchen, eine Schusswaffe zu übergeben".

In Christchurch wurden am Dienstag die sterblichen Überreste von sechs Todesopfern an ihre Familien übergeben. Viele Hinterbliebene hätten die Toten gerne binnen 24 Stunden beigesetzt, wie es muslimischer Brauch ist. Dem stehen in Christchurch allerdings die gerichtsmedizinischen Untersuchungen und die langwierige Identifizierung der Opfer entgegen. Bei den Familien sorgte dies für zusätzlichen Kummer.

Mohamed Safi, 23, dessen Vater Matiullah Safi in der Al-Noor-Moschee getötet wurde, äußerte seinen Ärger über die Behörden, die den trauernden Familien keinen Hinweis darauf gegeben hätten, wann sie die Leichen freigeben würden. "Sie sagen uns nichts", sagte der Flüchtling aus Afghanistan. Javed Dadabhai, der zur Beisetzung seines Cousins aus Auckland anreiste, sagte, die meisten Angehörigen hätten die Verstorbenen bisher noch nicht einmal sehen dürfen.

Die neuseeländische Polizei erklärte, dass ihr der Frust der betroffenen Familien "durchaus bewusst" sei. Bis Dienstag seien zwar alle 50 Autopsien abgeschlossen worden, allerdings hätten nur zwölf Opfer "zur Zufriedenheit des Gerichtsmediziners identifiziert" werden können. "Wir tun alles, was wir können, um diese Arbeiten so schnell wie möglich abzuschließen und die Opfer an ihre Angehörigen zurückzugeben", versicherte die Polizei.

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