Zum ersten Mal islamfeindliche Übergriffe erfasst – Reelle Dunkelziffer bleibt verdeckt

DAILY SABAH
ISTANBUL
Veröffentlicht 02.06.2017 15:44
DPA

Die Gewalttaten gegen Muslime nehmen in der Bundesrepublik immer weiter zu. Allein in den letzten drei Monaten sollen 208 islamfeindliche Übergriffe registriert worden sein. Dieses Jahr sind solche Straftaten zum ersten Mal gesondert erfasst worden.

Die gezielte Erfassung von Straftaten mit islamophoben Hintergrund ist eine relativ neue Maßnahme, die erst dieses Jahr durchgeführt wurde – obwohl Experten schon länger auf jene Tendenzen hingewiesen haben und auch die muslimische Community ähnliche Sorgen äußerte.

Die „Neue Osnabrücker Zeitung" bezog sich bei ihrem Bericht auf eine Anfrage der „Linken" an die Bundesregierung.

Die Palette der Straftaten ist groß. Sie reicht von Beleidigungen über Sachbeschädigung bis hin zu Körperverletzung. Die meisten Täter würden aus rechtsextremen Kreisen stammen.

Konkret sind das Vorfälle wie Hetze gegen Muslime, Drohbriefe, Angriffe auch Kopftuch tragende Frauen oder muslimische Männer und Sachbeschädigung an Gebetshäusern oder anderen Einrichtungen der muslimischen Gemeinden.

Man müsse hart gegen die Täter vorgehen, so Jelpke. Auch Aiman Mayzek vom Zentralrat der Muslime äußert sich. Es gebe jeden Tag „zig Beispiele".
Wie die Erfassung im speziellen stattfand ist nicht genau ersichtlich, genauso wenig wie die Dunkelziffer. Denn nicht alle Straftaten kommen zur Anzeige oder werden konkret als islamfeindlich bewertet. Die reelle Zahl der islamfeindlichen Übergriffe dürfte daher viel höher sein als die aktuell erfasste.

In diesem Zusammenhang sprach die innenpolitische Expertin der Linken, Ulla Jelpke von erschreckenden Zahlen. „Ich gehe davon aus, dass die erfassten Straftaten nur die Spitze des Eisbergs sind". Viele würden sich davor fürchten die Übergriffe zur Anzeige zu bringen.
Hinzu kommt sicherlich auch das fehlende Vertrauen vieler Muslime in die deutsche Justiz und Politik, wodurch entsprechende Partizipation nicht gelingen kann. Auf dieses Problem weisen viele Sozialwissenschaftler schon seit Jahren hin.

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