Vertreter islamischer Gemeinden und politischer Parteien kritisieren deutsche Behörden

DAILY SABAH
ISTANBUL
Veröffentlicht 06.06.2017 17:00
DPA

Vor kurzem wurde die Zahl der erstmals durchgeführten Erfassung von islamfeindlicher Übergriffe in Deutschland bekannt. Bereits nach der Veröffentlichung berichtete Daily Sabah über die zweifelhafte Aussagekraft der Auswertung. Denn aufgeführten wurden lediglich 208 Straftaten im ersten Quartal des Jahres. http://sabahdai.ly/H1jxbt

Nun äußerten sich auch Bekir Altaş, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft „Milli Görüş" und Mustafa Yeneroğlu, Mitglied der AK-Partei und Vorsitzender des Menschenrechtsausschusses des türkischen Parlaments zu der Statistik.

Beide deuten darauf hin, dass das Ausmaß der Übergriffe auf Muslime und Moscheen unvollständig erfasst wurde und jene Taten besorgniserregende Zustände angenommen haben.

„Immer wieder stellen Partei- und Behördenvertreter neue Forderungen, nach einer stärkeren sicherheitspolitischen Kontrolle von Muslimen und Moscheen. Geht es jedoch um Straftaten, die sich gegen Muslime und Moscheen im Land richten, waren Behörden in der Vergangenheit hingegen weit weniger aktiv", so „Milli Grörüş"-Generalsekretär Altaş in einer offiziellen Pressemitteilung.

Die Kategorisierung der islamfeindlichen Übergriffe hätte in der Praxis „nicht viel geändert". Auch würden mindestens „vier bekannte Übergriffe auf Moscheen" in der Statistik fehlen.

Als Beispiel habe er den Anschlag auf eine islamisch-bosnische Gemeinde in Bielefeld am 1. Februar 2017 genannt, wo Unbekannte einen Brandanschlag verübten. Nur mit viel Glück hätte sich der Imam damals lebend aus den Flammen retten können.

Auch Yeneroğlu hat wenig Verständnis für die Auswertung und darüber hinaus auch mit dem Umgang der registrierten Fälle. Er behauptete, dass man keinen einzigen Täter festgestellt habe. Dies deute auf die „Existenz eines institutionellen Rassismus in Deutschland hin".

Aiman Mazyek, Vorsitzender des „Zentralrats der Muslime" bezeichnete die islamfeindliche Stimmung auf seiner Facebook-Seite als eine „schlimme Entwicklung", die „nicht von ungefähr" komme. Die Islamkritiker würden lediglich behaupten, dass man als Muslim in die Rolle des Opfers schlüpfe. „Sie machen sich damit zu glasklaren Steigbügelhalter der Rechten und Extremisten."

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