Oberarzt im Theresienkrankenhaus: „Dann gehen Sie doch bitte in die Türkei zu Herrn Erdoğan"

DAILY SABAH MIT ANADOLU AGENTUR
ISTANBUL
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Oberarzt im Theresienkrankenhaus: „Dann gehen Sie doch bitte in die Türkei zu Herrn Erdoğan

„Dann gehen Sie doch bitte in die Türkei zu Herrn Erdoğan (...)", dies war die unerwartete Antwort des Oberarztes auf den Wunsch der Familie Altunok nach einem anderen Zimmer für ihren 18-jährigen Sohn. Dieser lag aufgrund seiner Behandlung am Darm im Theresienkrankenhaus in Mannheim. Laut dem Oberarzt hatte Herr Altunok die Verhältnisse dort mit Krankenhäusern in der Türkei verglichen und für besser befunden.

Laut Aussage des Familienvaters Altunok gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu war der Sohn bereits nach zwei Tagen seiner Ankunft in ein neues Zimmer verlegt worden – wo er sich über die inakzeptablen Zustände beklagt habe. Dort seien zwei pflegebedürftige alte Patienten untergebracht – und das Zimmer in einem sehr strengen Gestank eingehüllt gewesen. Er habe zwar versucht, auf den Sohn einzureden, damit er darüber hinwegsehe – jedoch ohne Erfolg. Der Vater entschloss sich daher, das Personal um Rat zu bitten. Diese hätten dem Sohn zunächst ein Einzelzimmer angeboten – für den Preis von 150 Euro pro Nacht. Nachdem der Vater dem Vorschlag zustimmte, sei dann plötzlich doch kein Zimmer mehr verfügbar gewesen so die Schilderung von Herrn Altunok gegenüber der Nachritenagentur Anadolu.

Nun hatte sich Altunok gezwungen gesehen, den leitenden Oberarzt Daniel S. um Hilfe zu bitten. Was hätte er „als Vater tun sollen", das Kind habe unter keinen Umständen in dem Zimmer bleiben wollen. Dabei soll der Vater laut der Erklärung einer Anwältin des Oberarztes die Verhältnisse in der Türkei angesprochen haben. Die Antwort vom Oberarzt kam prompt: „Dann gehen Sie doch bitte in die Türkei zu Herrn Erdoğan, wenn dort alles besser ist."

Vater Altunok soll dann erwidert haben, dass die Familie in Deutschland lebe und das Kind deutscher Staatsbürger sei – außerdem sei es unangebracht, die ganze Sache zu politisieren. Der Oberarzt Daniel S. habe die Familie später aufgefordert das Krankenhaus unverzüglich zu verlassen, und sei dann noch kurz handgreiflich gegenüber dem Kind geworden, so jedenfalls schildert der Vater Altunok die Situation - der Oberarzt widerspricht dieser Behauptung - auch sei dem Patienten eine Fortsetzung der Behandlung angeboten worden. Freunde vor Ort, die Familie und andere Ärzte vor könnten dies jedoch das Gegenteil bezeugen, erwidert der Familienvater.

Nach dem Vorfall riefen beide Seiten die Polizei und schilderten ihre Sicht der Dinge. Die Polizei soll dem Vater entgegnet haben, dies sei „kein Hotel". Zudem sei ihm ein Dokument zum Unterschreiben vorgelegt worden, wonach die Familie der Entlassung aus dem Krankenhaus nach eigenem Wunsch zustimmen sollte. Altunok weigerte sich jedoch, seine Unterschrift drunter zu setzen und wandte sich an einen Anwalt. Nun sollen rechtliche Schritte folgen.

Das Geschehene sei, so der Vater, inakzeptabel. „Sie können meinem Sohn kein Bett geben. Sie können auch keine Alternative haben. Aber sie können uns nicht sagen, geht zurück in die Türkei´. Sie haben kein Recht so etwas zu sagen. Außerdem hat dies nichts mit Politik zu tun."
Die Behandlung vom Sohn Altunok wird aktuell im Universitätsklinikum Heidelberg fortgesetzt.

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