Israel-kritische Pop-Band boykottiert Triennale

DAILY SABAH MIT DPA
ISTANBUL
Veröffentlicht 23.06.2018 16:54
DPA

Die israelkritische Band Young Fathers wird nach einem Hickhack um ihre Teilnahme und Kritik an ihrer Einladung nicht bei der Ruhrtriennale auftreten.

Das Management der Young Fathers habe das Kulturfestival benachrichtigt, «dass die Band die Wiedereinladung der Ruhrtriennale nicht wahrnehmen kann», teilte die Pressestelle des Festivals am Freitag in Bochum mit. Der Auftritt war ursprünglich für den 18. August geplant gewesen.

Intendantin Stefanie Carp hatte am 12. Juni überraschend die Ausladung der schottischen Pop-Band mitgeteilt, weil die Band die BDS-Bewegung unterstützt. Die Kampagne «Boycott, Divestment and Sanctions» (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen; BDS) setzt sich für einen Boykott Israels wegen der restriktiven Palästinenserpolitik ein.

Am Donnerstag teilte Carp dann mit, die Band wieder eingeladen zu haben. «Die Young Fathers haben in vielen Interviews glaubhaft gemacht, dass sie Antisemitismus in jeder Form ablehnen», erklärte Carp. Die Haltung der Band zum BDS teile sie aber nicht. «Ich bin der Meinung, dass wir die unterschiedlichen Perspektiven und Narrative zulassen müssen, da diese Offenheit das dramaturgische Credo unseres Programmes ist», schrieb Carp. Sie müsse daher «die Freiheit der Kunst verteidigen».

Kritik hatte es vor allem aus Israel-nahen Kreisen und Verbänden gegeben, die den Antisemitismusvorwurf in den Raum warfen.

Kritisch äußerte sich auch die SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag. Man sei «höchst irritiert von dieser Entscheidung». Diese sei ein falsches Signal, hieß es am Freitag. Am Donnerstag hatte NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) erklärt, sie bedauere die erneute Einladung. Es sei nicht auszuschließen, dass die BDS-Kampagne durch die Entscheidung eine Plattform auf der Ruhrtriennale erhalte. «Dies ist in Zeiten zunehmender antisemitischer Straftaten und anderer Vorfälle, leider auch in Nordrhein-Westfalen, ein falsches Signal», erklärte die Ministerin.

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