Kinderhilfswerks-Chef fordert Nachforschungen zu vermissten Flüchtlingskindern

AFP
OSNABRÜCK
Veröffentlicht 20.06.2016 12:24
Aktualisiert 20.06.2016 23:54
Foto: AA
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Der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerks, Thomas Krüger, hat sich für eine Aufklärung der Schicksale von rund 8500 vermissten unbegleiteten Flüchtlingskindern ausgesprochen. Anlässlich des Weltflüchtlingstages forderte er in der Montagsausgabe der "Neuen Osnabrücker Zeitung" die Einrichtung eines zentralen europäischen Erfassungssystems. "Jedem vermissten Kind, egal ob es aus Deutschland oder einem anderen Land kommt, müssen wir größtmögliche Aufmerksamkeit widmen", sagte er.

Den vermissten unbegleiteten Kindern drohe in Deutschland "Ausbeutung, Sexarbeit, Sklaverei oder sogar Organhandel". Ein europäisches Erfassungssystem müsse bei der EU-Polizeibehörde Europol angesiedelt und mit der EU-Beauftragten für Kinderrechte zusammenarbeiten. Auch eine engere Zusammenarbeit zwischen Bundesbehörden, örtlichen Jugendhilfeträgern und der Polizei in Deutschland mahnte Krüger an.

Nach Angaben des Bundeskriminalamtes werden in Deutschland derzeit 781 Kinder bis 13 Jahre und 7756 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren vermisst. Europaweit sind laut der europäischen Polizeibehörde Europol in den vergangenen Jahren mehr als 10.000 unbegleitete Flüchtlingskinder verschwunden. Obwohl auch Mehrfachregistrierungen, Fehler in der Datenerfassung oder Weiterreise zu Verwandten zu den hohen deutschen Vermisstenzahlen führen könnten, weckten die Zahlen "schlimmste Befürchtungen" sagte Krüger.

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