Erdoğan: Brexit ist der Start einer neuen Ära

DAILY SABAH MIT AGENTUREN
ISTANBUL
Veröffentlicht 27.06.2016 16:38
IHA

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sagte, dass der EU-Austritt der Briten ein Wendepunkt in der europäischen Geschichte sei, und warnte, die EU vor einem Zerfall.

„Ich sehe diese Entscheidung des Volks in Großbritannien als einen Beginn einer neuen Ära für Großbritannien und der EU", sagte Erdoğan, während eines Fastenbrechens am Freitag. „Wie die ganze Welt, erwarteten auch wir, dass sie in der EU bleiben würden", sagte er.

Die britischen Wähler haben am Donnerstag für einen EU-Austritt abgestimmt. Nun wird die Zukunft der EU in Frage gestellt. Das Problem von heute, erklärte Erdoğan sei nicht die Türkei, sondern die EU selbst. Er warnte vor neuen Austritten aus der EU, sofern diese ihre Politik zur Migration, dem steigenden Rassismus und der Islamophobie nicht revidiert.

„Die Türkei wird ihre Stelle innerhalb der Union annehmen, wenn die EU ernsthaft in den Spiegel schaut und tut was erforderlich ist", sagte er. „Wenn dies nicht geschieht und die EU mit ihrer Widersprüchlichkeit weiter macht, wird es unvermeidlich sein, dass die EU weiter Austritte erlebt."

Am Freitag kritisierte er die Haltung der EU gegenüber der Türkei: „Die Haltung ist islamophobisch. Deshalb verzögern sie unseren Beitritt."

Erdoğan kritisierte auch den britischen Ministerpräsidenten David Cameron, der die türkische Mitgliedschaft „nicht mal in den Karten" gesehen hatte. „Was hat er noch gesagt? Er sagte, dass die Türkei vor dem Jahre 3000 nicht beitreten könne. Was ist jetzt passiert? Sie konnten keine drei Tage aushalten", sagte Erdoğan in Bezug zum Rücktritt Camerons im Oktober.

Die türkischen Behörden warnen schon seit langem vor steigender Fremdenfeindlichkeit in Europa. Die europäischen Politiker würden an der Bekämpfung scheitern.

„Die Fragmentierung der EU hat begonnen. Großbritannien war die erste, die das Schiff verlassen hat", schrieb Vize-Ministerpräsident Nurettin Canikli auf Twitter.

Der türkische EU-Minister Ömer Çelik sagte, dass die britischen Kampagnen von Islamophobie und Anti-Türkei-Haltungen getrübt wurden.

„Dies war ein besorgniserregender Prozess. ‚Normale' Politiker verließen sich viel zu sehr auf rechtsextremistische Parolen", sagte Çelik auf einer Pressekonferenz.

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