Brand im Flüchtlingslager auf Lesbos

AMIRA RAJAB
ISTANBUL
Veröffentlicht 20.09.2016 11:13
Aktualisiert 20.09.2016 14:02
Brand im Flüchtlingslager auf Lesbos

Nach einem Brand in einem Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos am Montagabend mussten rund 3.500 Flüchtlinge evakuiert werden. Laut Angaben der örtlichen Polizei habe es bisher keine Verletzen gegeben.

Schon vor dem Brand sei es immer wieder zu Ausschreitungen und Protesten gekommen:

Wie das ZDF berichtet, sei das Lager hoffnungslos überfüllt gewesen und sorgte auch bei den dortigen Anwohnern immer wieder für Protestbewegungen. Noch am Wochenende hätten an die 500 Bürger gegen das überfüllte Flüchtlingslager Moria aus Lesbos demonstriert.

Ein Vertreter der Sicherheitskräfte erklärte, dass es am Montag dann zu Ausschreitungen unter den Bewohnern gekommen sei. Der ansässige Polizeisprecher sagte zudem der AFP, dass er keinen Zweifel daran habe, dass das Feuer von den Bewohnern selbst gelegt worden sei.

Neuesten Ermittlungen zu folge hat die griechische Polizei 18 Männer festgenommen, die der Brandstiftung verdächtig werden. Mindestens nun von ihnen soll bald vor Gericht gestellt werden.

Insbesondere Gerüchte über eine mögliche Abschiebung eines Großteils der Bewohner zurück in die Türkei ließen die Situation eskalieren. Wie die griechische Zeitung „To Vima" berichtet, hätten zahlreiche Migranten und Bürger schon tagsüber gegen drohende Abschiebungen protestiert. 150 Minderjährige sind daraufhin aus dem Lager und in Sicherheit gebracht worden. Schließlich eskalierte die Situation völlig und die rund 3.500 Bewohner flohen während des Brandes aus dem Lager.

Seit dem 4.April besteht zwischen der EU und der Türkei ein Flüchtlingspakt. Demnach sollen alle Migranten, die illegal nach Griechenland einreisen zurück in die Türkei geschickt werden. Im Gegenzug nimmt die EU anerkannte syrische Flüchtlinge aus der Türkei auf. Die Türkei soll zusätzlich finanziell unterstützt werden. Während die türkische Regierung ihr Versprechen gehalten hat und illegale Flüchtlinge aus Griechenland zurückgenommen hat, wurde von den zugesicherten sechs Milliarden Euro bisher nur ein geringer Teil gezahlt.

Berichten der ARD zufolge hätten die drohende Abschiebung zurück in die Türkei die Bewohner des Camps zusätzlich unter Druck gesetzt und zu einer bewussten Brandstiftung verleitet. Die Flüchtenden versuchten demnach sich bis aufs griechische Festland durchzuschlagen, um so möglicherweise in weitere EU-Länder einreisen zu können.

Menschenrechtsorganisationen kritisierten weiterhin schon seit langer Zeit die schlechten Zustände in griechischen Flüchtlingsunterkünften. Derzeit befänden sich mehr als 13.000 Flüchtlingen in Einrichtungen auf den griechischen Inseln, welche für nicht mehr 8.000 Menschen ausgelegt waren.

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