Weniger Chancen im Arbeitsmarkt für Kopftuchträgerinnen

DAILY SABAH MIT AGENTUREN
ISTANBUL
Veröffentlicht 20.09.2016 16:28
Aktualisiert 21.09.2016 11:47
Fotos der fiktiven Bewerberinnen der Studie
Fotos der fiktiven Bewerberinnen der Studie

Frauen mit Kopftuch bekommen seltener ein Vorstellungsgespräch. Ein ausländisch klingender Name kann ein Hindernis auf dem Lebenslauf sein.

Eine Studie des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) untersuchte nun Bewerberchancen auf dem Arbeitsmarkt zwischen Deutschen und deren Konkurrenten mit Migrationshintergrund. Berichten von SpiegelOnline zufolge, ergab die Studie unter anderem, dass trotz gleicher Qualifikationen eine Frau ohne Kopftuch immer die höhere Chance hätte den Job zu bekommen, als mit Kopftuch.

Noch immer werden insbesondere türkischstämmige Frauen auf dem deutschen Arbeitsmarkt eindeutig diskriminiert. Das belegt auch dem Feldversuch der Ökonomin Doris Weichselbaumer, wie SpiegelOnline berichtet. Mit fast 1.500 fiktiven, verschickten Bewerbungen legt sie die Ergebnisse klar dar.

So kommt die Studie zu dem Schluss, dass ein typisch deutscher Name wie Sandra Bauer eine Erfolgsquote für ein potentielles Vorstellungsgespräch von fast 19 Prozent erhielt. Ihr fiktiver türkischer Zwilling mit demselben Foto aber mit dem türkischen Namen Meryem Öztürk bekam nur in13,5 Prozent der Fälle eine Einladung. Noch weniger Erfolgschancen erhielt das selber Bewerberprofil, allerdings mit Foto auf dem die Bewerberin ein Kopftuch trägt: Nur 4,2 Prozent der angeschrieben Firmen waren bereit diese Bewerberin mit Kopftuch zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen.

Je höher die Anforderungen und Qualifikationen für einen Job, desto geringer wurden die Chancen für Bewerber mit Migrationshintergrund. So musste die kopftuchtragende Meryem ca. 7,6 mal mehr Bewerbungen schreiben, um ein Vorstellungsgespräch in der Bilanzbuchhaltung zu ergattern. Andersherum lag diese Quote bei den Bewerbungen um einen Arbeitsplatz in einem Sekretariat bei nur 3,5.

Die Zeitung Die Zeit berichtet, dass das IZA mitteilte, dass mangelnde Interesse an Migrantinnen auf dem Arbeitsmarkt oft mit fehlender Qualifikation begründet würde. Tatsächlich würden Musliminnen ungeachtet ihrer Qualifikation oft unbeachtet auf dem deutschen Arbeitsmarkt bleiben.

Besonders die ansteigende Zuwanderungen von Migranten aus islamischen Ländern stellt den deutschen Arbeitsmarkt auf eine Probe. Kürzlich anhaltende Wahlen auf Landesebene verdeutlichen das Problem: Besonders die rechtspopulistische Partei Alternative für Deutschland (AfD) gewinnt immer mehr an Zuspruch und konnte bei den Wahlen in Berlin mit 14,2 Prozent punkten.

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