Srebrenica: Ein Mann sucht seit Jahren nach Überresten seiner Familie

DAILY SABAH
ISTANBUL
Veröffentlicht 11.07.2017 17:15
Aktualisiert 11.07.2017 17:18
AP

Jeden Tag geht Ramiz Nukic tief in den Wald, immer auf der Suche nach den Überresten von seinem Vater und Bruder, die beim dem Massaker von Srebrenica getötet wurden.

Serbische Truppen, geführt von General Ratko Mladic, drangen im Juli 1995 in die überwiegend muslimische Stadt Srebrenica ein und schlachteten mehr als 8.000 Menschen ab, hauptsächlich Männer und Jungen. 15.000 Menschen flüchteten in die Berge. Die verbliebenen 25.000 Menschen suchten Schutz bei den niederländischen UN-Friedenstruppen im Vorort Potocari.

Als sich das Massaker ausbreitete, war Nukic gezwungen sich von seiner Familie zu verabschieden und mit seinem Vater und Bruder, so schnell es ging, in den Wald zu fliehen.

An die tausend Männer aus Srebrenica wurden auf der Stelle getötet. Nukic versteckte sich in den Büschen, und schaffte es so, sich davon zu schleichen. Später konnte er seine Frau und Kinder in einem Flüchtlingslager finden. Sein Vater und Bruder überlebten den Hinterhalt nicht.

Nukic kehrte erst wieder im Jahr 1999 in sein leeres Dorf Kamenice zurück. Er sammelte seinen ganzen Mut, um an die Stelle zu gehen, wo ein Teil seiner Familie getötet wurde. „Als ich die Kleidung und Schuhe verstreut auf dem Boden sah, fühlte ich mich wie betäubt", sagte er.

Seit jenem Tag wagt sich Nukic in den Wald, in der Hoffnung Hinweise zu finden, um mit dem Tod seines Bruders und Vaters abschließen zu können. Jeden Tag findet er Knochen, die anderen Familien helfen mit der Trauer abschließen zu können. Doch seine Verwandten konnte er bisher nicht finden.

Vor kurzem wurden während den Ausgrabungen eines Massengrabes, die unvollständigen Überreste von Nukics Vater gefunden. „Es fühlt sich gut an, obwohl nicht alles gefunden wurde. Ich werde ihn begraben können und wissen, wo sein Grab ist", sagte Nukic.

„Ich fühle mich schlecht, wenn ich keinen Knochen finde. Ich bin glücklich wenn ich einen finde. Denn dann kann eine andere Familie abschließen", fügte er hinzu.

Mehr als 7.000 Leichen wurden bisher in 93 Massengräbern und umliegenden Gebieten im Nordosten von Bosnien und Herzegowina gefunden.

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