Türkische Streitkräfte rücken im Nordirak auf PKK-Hauptquartier vor

DAILY SABAH MIT AFP
ISTANBUL
Veröffentlicht 05.06.2018 12:38
Aktualisiert 05.06.2018 12:39
PKK-Terroristen in Kandil

Die türkische Armee ist im Rahmen der Anti-Terror-Operation etwa 26 Kilometer in den Nordirak in Richtung der Kandil-Berge vorgerückt. Dort befindet sich das Hauptlager von den Führungskräften der Terrororganisation PKK. Erklärtes Ziel ist, die Präsenz der Terrorgruppe in der Region vollständig zu beenden.

Innenminister Süleyman Soylu sagte am Montag der Nachrichtenagentur Anadolu, die Armee stehe kurz davor, die Hochburgen der PKK in den Kandil-Bergen einzuschließen. Dabei betonte er, es sei nicht eine Frage des ob, sondern des wann.

Mehrere Gebiete seien bereits unter Kontrolle und Kandil sei „kein fernes Ziel" mehr, so Soylu.

„Kandil wird für die Türkei eine Sicherheitszone werden. Daran sollte niemand zweifeln."

Die Armee stehe rund 26 Kilometer vor den PKK-Bastionen in den Kandil-Bergen, doch gebe es Gefechte und die Armee stoße auf selbstgebaute Sprengsätze, sagte Soylu. Erst vergangene Woche waren laut der Armee vier Soldaten bei Kämpfen mit der PKK im Nordirak getötet worden.

Die Türkischen Streitkräfte (TSK) haben bisher noch keine näheren Details über die laufenden Operationen bekanntgegeben. Es kursieren jedoch einige Fotos in den sozialen Medien, die die Präsenz der türkischen Spezialkräfte in den Dörfern nahe der Kandil-Berge bestätigen. Zudem gibt es Videoaufnahmen, bei denen Türkische Offiziere mit kurdischen Einheimischen in einem Dorf im Nordirak zusammenkommen.

In den Kandil-Bergen werden die PKK-Führer Murat Karayılan und Cemil Bayık vermutet. Der PKK-Gründer Abdullah Öcalan war 1999 festgenommen worden und sitzt derzeit eine lebenslange Freiheitsstrafe auf einer Insel bei Istanbul ab.

Die türkische Armee führt regelmäßig Luftanschläge auf PKK-Stellungen im Nordirak aus und verfügt zudem über mehrere Stützpunkte. Ministerpräsident Binali Yıldırım sagte am Wochenende, die Türkei habe elf Militärbasen im Nordirak errichtet und die Zahl ihrer Bodentruppen verdoppelt. Die Türkei hatte zuletzt im April die syrische Region Afrin von dem syrischen PKK-Ableger YPG befreit. Seitdem plant Ankara mit einer Offensive im Nordirak.

Die PKK wird von der Türkei, den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft. Die marxistisch-leninistisch orientierte Organisation führt seit ihrer Gründung im Jahr 1978 einen bewaffneten Kampf gegen befeindete Gruppen und den türkischen Staat. Hauptziel ist eine Abspaltung von der Türkei und die Errichtung einer ideologischen Selbstverwaltung auf türkischem Hoheitsgebiet. Dafür setzt die PKK hauptsächlich terroristische Mittel ein. Ihre internationalen Ableger verfolgen ähnliche Ziele in ihren Ursprungsländern.

Als die größten Leidtragenden des ideologisierten PKK-Terrors gelten neben den türkischen Staatsbediensteten insbesondere die kurdischen und örtlichen Bevölkerungsteile in der Türkei und anderen Staaten, wo die PKK und ihre internationalen Ableger aktiv sind. Bisher forderten die Terroranschläge und Ermordungen der PKK mehr als 40.000 Todesopfer. Darüber hinaus setzte die PKK auf erpresserische Methoden, um etwa Zwangsrekrutierungen und Enteignungen durchzuführen.

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