YPG-Terroristen verkünden Abzug aus Manbidsch

DAILY SABAH MIT REUTERS
ISTANBUL
Veröffentlicht 05.06.2018 00:00
Aktualisiert 06.06.2018 16:07
Reuters

Die USA und die Türkei haben sich nach Angaben des türkischen Außenministers Mevlüt Çavuşoğlu auf eine Entwaffnung der mit den USA verbündeten syrischen PKK-Ableger YPG verständigt. Die Terrororganisation YPG gebe ihre Waffen ab, sobald sie die nordsyrische Stadt Manbidsch verlasse, sagte Çavuşoğlu am Dienstag vor Journalisten. Dies sei Teil der Vereinbarung, die er am Montag mit seinem US-Kollegen Mike Pompeo erzielt habe.

Die Umsetzung des vereinbarten Fahrplans beginne in zehn Tagen und sollte binnen sechs Monaten abgeschlossen werden, gab Çavuşoğlu bekannt. Das Vorgehen im Streit um Manbidsch könne auch ein Modell für andere von der YPG gehaltene Regionen und Städte wie Rakka oder Kobane sein.

Die YPG bestätigte, dass sich die in Manbidsch verbliebenen "Militärberater" aus der Stadt zurückziehen würden. Die Kampfeinheiten hätten angeblich die Gegend bereits im vergangenen November geräumt. Lediglich die Berater seien noch dort, um mit dem örtlichen Verteidigungsrat zusammenzuarbeiten. Nicht nachgekommen ist die US-Regierung Çavuşoğlu zufolge dem türkischen Wunsch, die YPG als Terrororganisation einzustufen.

Die USA unterstützen in Nordsyrien die YPG, was zu Spannungen zwischen Washington und Ankara geführt hat.

Für die Türkei stellt die „Partei der Demokratischen Union" (PYD) und ihr bewaffneten Flügel, die „Volksschutzeinheiten" (YPG) eine Terrorbedrohung dar. Sie gelten außerdem als syrische Ableger der Terrororganisation PKK.

Die bis heute von der YPG in Nordsyrien kontrollierten Gebiete waren 2013 von den Truppen des Assad-Regimes aus taktischen Gründen kampflos zurückgelassen worden. Das sogenannte Autonomiegebiet „Rojava" entstand nicht zuletzt durch die Vertreibung beachtlicher Teile der arabischen und turkmenischen Bevölkerung. Die Türkei möchte durch die Sicherung Afrins eine Rückkehr der vertriebenen Bevölkerungsteile ermöglichen. Dies sieht die Türkei als Grundbedingung für die Einheit Syriens.

Die PYD/YPG stellt nicht nur eine Bedrohung gegen andere Volksgruppen dar, sondern auch für kurdische Bevölkerungsteile, die sich dem Machtanspruch der PKK-Ableger nicht unterordnen wollen. Zwangsrekrutierungen, Verhaftungen oder Enteignung stehen in den PYD/YPG-Gebieten auf der Tagesordnung. Nach außen hin versucht die Propagandamaschine in der selbsternannten „Autonomen Region Rojava" ein rein positives Bild zu vermitteln. Es soll den Anschein einer demokratischen Ordnung inmitten einer krisengeschüttelten Region erweckt werden. Die westlichen Medien spielen bei der Verbreitung dieses verzerrten Bildes eine maßgebliche Rolle. Ferner entsteht so ein falscher Eindruck von den syrischen PKK-Ablegern.

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