Türkischer Geheimdienst nimmt Reyhanlı-Attentäter in Syrien fest

DAILY SABAH MIT AFP
ISTANBUL
Veröffentlicht 13.09.2018 00:00
Aktualisiert 13.09.2018 15:29
DHA

Die Türkei hat bei einer ungewöhnlichen Geheimdienstoperation in Syrien den Drahtzieher eines blutigen Anschlags in Reyhanlı vor fünf Jahren festgenommen. Der 34-jährige Yusuf Nazik sei vom türkischen Geheimdienst MIT in der syrischen Küstenstadt Latakia gefasst worden, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu (AA) am Mittwoch. Er gestand demnach, im Auftrag des syrischen Geheimdiensts den Anschlag im türkischen Reyhanlı verübt zu haben.

Bei dem Doppelanschlag in der Stadt an der syrischen Grenze waren am 11. Mai 2013 53 Menschen getötet worden. Die Türkei hatte damals die linksextreme türkische Gruppierung „Avcılar" beschuldigt, das Attentat im Auftrag des syrischen Geheimdiensts verübt zu haben. Damaskus bestritt damals jede Verwicklung. Das Attentat erschütterte die Türkei, da es die Gefahr eines Übergreifens des syrischen Bürgerkriegs zeigte.

Nazik gestand, den Sprengstoff aus Syrien über die Grenze geschmuggelt zu haben. In einem Video, das von Anadolu veröffentlicht wurde, sagte Nazik aus, im Auftrag des syrischen Geheimdiensts gehandelt zu haben. Ein hoher türkischer Regierungsvertreter sagte dazu, die Regierung in Ankara nehme die „Informationen von Yusuf Nazik zur Verwicklung von Mitgliedern des Geheimdiensts Syriens sehr ernst".

Die Festnahme von Nazik in der syrischen Küstenstadt Latakia ist bemerkenswert, da sie eine Hochburg des syrischen Machthabers Bashar al-Assad ist, mit dem die Türkei seit Beginn des Bürgerkriegs 2011 verfeindet ist. Wie es dem türkischen Geheimdienst gelingen konnte, Nazik auf syrischem Boden festzunehmen, blieb zunächst offen. Laut Anadolu gab es keine Kooperation mit anderen Diensten.

Das russische Militär ist in Latakia sehr präsent; in der Nähe befindet sich der russische Militärflughafen Hmeimim. Der Experte Timur Achmetow vom russischen Rat für Internationale Beziehungen wies darauf hin, dass Russland vor der umstrittenen Offensive auf die Provinz Idlib ein Interesse daran habe, dass die Türkei sich „auf Fragen der Sicherheit konzentriert, an denen Ankara und Damaskus ein gemeinsames Interesse haben".

Gül begrüßte den Erfolg bei der Festnahme von Nazik und betonte, der türkische Staat werde „bis zum Schluss die Schuldigen verfolgen, wo immer sie sind".

Nazik bekam laut Geheimdienstberichten nicht nur während des Reyhanlı-Angriffs Unterstützung vom Assad-Regime, sondern auch danach. Mit geänderter Identität soll er sein Leben bis zur Festnahme in Latakia verbracht haben. Latakia liegt rund 90 Kilometer entfernt von der türkischen Grenze.

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen