Türkische Offensive verändert Machtverhältnisse

ISTANBUL
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Mit der Afrin-Operation versetzt die Türkei der PKK und deren Sponsoren einen schweren Schlag - und verhindert damit einen möglichen Korridor durch Nordsyrien

Die Afrin-Offensive geht weiter, während die von der Türkei unterstützte Freie Syrische Armee (FSA) die Region von sieben verschiedenen Punkten aus umschließt und täglich Fortschritte macht. Infolgedessen werden der PKK-Ableger PYD und dessen bewaffneter Flüge, die YPG, nachhaltig geschwächt.

Mit der Befreiung von Afrin wird die Türkei der PKK und deren Sponsoren einen schweren Schlag versetzten und damit einen möglichen Korridor durch Nordsyrien verhindern.

Während die Afrin-Operation weiter geht, ereignen sich im Westen interessante Entwicklungen . Seit Beginn der „Operation Olivenzweig" haben sich westliche Medienkanäle überraschend gegen die PKK-PYD gewandt - sie berichten, dass die zwei Gruppen Teil ein und derselben Terrororganisation sind. Prompt wird nun eine neue Betonung auf die von der YPG betriebenen Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen gesetzt. Vor einigen Tagen schrieb der „Focus", dass PKK und PYD die gleiche Organisation darstellten und kritisierte westliche Regierungen für das Verschließen der Augen vor der Wirklichkeit.

Das Magazin erwähnte folgende Informationen von Berichten des Bundesnachrichtendienstes (BND): „Dieselben Milizen kämpfen sowohl für die PYD als auch für die PKK. Sie werden am Türkischen Grenzgebiet als Terroristen und in Syrien als Verbündete angesehen." Des Weiteren wurde ein PKK-Terrorist zitiert: „Manchmal bin ich ein PKK-, manchmal ein YPG-, in einigen Fällen auch ein PJAK-Kämpfer."

Um es klarzustellen: Die oben erwähnten Fakten sind nichts neues. Seit Jahren versucht die Türkei diese nach außen hin zu artikulieren, präsentiert dieselben Fakten und Beobachtungen. Jedoch scheint es so, als ob eine härtere Gangart nötig war, um die türkischen Interessen zu vermitteln und die rote Linie zu verdeutlichen. Und erinnern wir uns daran, dass die oben erwähnte Zeitschrift maßgeblich für die Anti-Erdoğan Stimmung im eigenen Land verantwortlich ist.

Angesichts der türkischen Militäroffensive haben nicht nur die Medienkanäle, sondern auch ausländische Regierungen ihre Syrien-Politik revidiert. Die USA zum Beispiel, sah sich gezwungen, eine neue Position in der Syrien-Krise einzunehmen. Obwohl diese Position sich weiterentwickeln muss, wurde klar, dass Washington nicht länger in der Konfortzone ihrer alten Position ausharren kann. Nachdem die USA erkannte, das der Austausch mit der Türkei wichtig ist, wechselte man dort innerhalb weniger Monate die eigene Haltung - und die YPG Unterstützung wurde ausgelagert.
Nur wenige Tage nachdem Präsident Erdoğan Reportern mitgeteilt hatte, dass er nicht von sich aus den US-Präsidenten Trump anrufen werde, erhielt Erdoğan einen Anruf vom Weißen Haus, worin ein Gesprächswunsch Seitens Trump geäußert wurde.

Sicherlich werden einige Menschen im Weißen Haus Große Anstrengungen unternommen haben, den Inhalt des Gesprächs zu verzerren – jedoch wissen wir, dass solche Gespräche ausnahmslos aufgezeichnet werden. Es wäre ziemlich einfach, die erwähnte Aufzeichnung publik zu machen, um zu beweisen, dass das US-Außenministerium hierbei etwas manipulieren wollte. Glücklicherweise hat die Türkei das jedoch nicht nötig. Die breite Öffentlichkeit in der Türkei glaubt ihrem Präsidenten und ist sich bewusst, dass Erdoğan vor laufender Kamera stets Klartext spricht und sich nicht scheut, öffentlich die Wahrheit zu sagen. Meiner Meinung nach, steht für die USA ziemlich viel auf dem Spiel, jedoch verrät ein Blick auf das „Time Magazine", dass die USA sowieso nicht mehr viel zu verlieren haben. Amerika Allein - welch glorreicher neuer Name für den Amerikanischen Traum.

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