Der Ankara-Angriff enthüllt neue Bruchlinien

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Der Terroranschlag in Ankara am 17. Februar beanspruchte 28 Leben und verletzte mehr als 60 Personen. Der Türkei ist diese Art von Terrorismus nicht neu, da sie seit den 1980er Jahren gegen die PKK und ähnlichen Terrororganisationen kämpft. Jedoch ist der Angriff vom 17. Februar erstmalig in mehrfacher Hinsicht und wird weitreichende Konsequenzen für den Kampf gegen die PKK haben, sowie für ihre syrische Partner-Partei der Demokratischen Union (PYD) und ihrer bewaffneten Volksverteidigungseinheiten (YPG). Es wird auch die Position Ankaras in Bezug auf den syrischen Krieg beeinflussen.

Es steht nun fest, dass der Angriff von YPG durchgeführt wurde. Der Selbstmordattentäter Salih Najjar betrat Türkei im Jahr 2014 von der Region Haseke-Kamışlı unter der Kontrolle der PYD. Es ist bekannt, dass vor dem Anschlag ranghohe Funktionäre der KCK die Planung solcher Terrorangriffe in Großstädten diskutiert hatten. Eine der Gruppen verteidigt die Anschläge als Vergeltung gegen die Operationen in Nusaybin, Cizre, Sur und Silopi, bei denen die PKK mehr als 1000 Militanten verlor. Die andere Gruppe ist gegen diese Meinung, da solche Anschläge in den Städten die Unterstützung der Öffentlichkeit für die PKK vermindern würde und ihr ein Image wie die der DAESH bringen würde. Es sieht aus, als hätte die erste Ansicht der Debatte innerhalb der PKK an Zuspruch gewonnen.

Wir sollten auch mehrere öffentliche Erklärungen von den PYD- und YPG-Terroristen beachten, die der Türkei den Krieg erklären in Amude/Syrien, der Heimatstadt des Ankara Selbstmordattentäters. Im Video, am 10. Februar aufgenommen, eine Woche vor dem Angriff, sagt die Gruppe: „Als die Leute von Amude, werden wir ab jetzt mit allen möglichen Mitteln als Asayish, YPG, YPJ [Frauenschutzeinheit]und HPJ [Frauen-Verteidigungskräfte] die Rechte unserer Leute verteidigen". Sie drücken ihre Unterstützung für die PKK in der Türkei und sagen dann „Mit unseren Menschen in West- und Nordkurdistan werden wir (Staatspräsident Recep Tayyip) Erdoğan in seinem eigenen Blut ertränken."

An der Spitze dieser Aussagen, sagte Murat Karayılan, ein Top KCK-Führer, dass der Ankara-Anschlag eine "Vergeltung sein könnte" gegen die türkischen Sicherheitsoperationen auf die PKK in der Türkei und die YPG-Positionen in der Nähe von Asas in Syrien. Während die Syrischen Demokratischen Kräfte, deren Hauptteil aus YPG-Kämpfern besteht, eine Verantwortung zum Angriff verweigert, zeigen die Beweise, dass die YPG dahinter war. Sie werden wahrscheinlich versuchen, sich vom schrecklichen Ruf zu schützen, was ihnen dieser Angriff bereits gegeben hat.

Das ist ein Spielwechsler im Kampf der Türkei gegen den Terrorismus sowohl in der Türkei als auch in Syrien. Staatliche Behörden haben gelobt, dass die Türkei ihre Antwort durchsetzt und gegen die Terroristen vorgeht, seien sie in der Türkei, Syrien oder in den Kandil-Bergen im Nordirak.

In der Zwischenzeit führt YPG weiterhin fort, den Krieg in Syrien zu seinem Vorteil zu manipulieren. Im Namen des Kampfes gegen DAESH, handelt sie als Client-Organisation für die USA, Russland und dem Regime des syrischen Führers Bashar Assad. Mit Unterstützung aus der Luft aus Russland und Versorgung aus den USA, zieht die YPG in Gebiete, die durch moderate syrische Oppositionsgruppen gesteuert werden – genau die Gruppen, die die USA auch unterstützen. Das Assad-Regime sagt nun offen, dass es Waffen und Munition an die YPG im Norden von Syrien liefert, so dass sie die Kontrolle für das Regime hat, nördlich von Aleppo. Nach all diesen Gegebenheiten hat die Türkei zu Recht auf die anhaltende US-Unterstützung für die YPG reagiert.

Man kann die Motivation zur Unterstützung der YPG der Russen verstehen, da sie alles und jeden gegen die Türkei verwenden wollen nach dem Absturz des russischen Kampfjets am 24. November 2015. Aber andere werfen Fragen in der türkischen Öffentlichkeit auf, über die Weisheit dieser Politik. Die Anti-DAESH Strategie steht mit einem Rätsel da: Während die YPG andere Oppositionsgruppen im Kampf gegen die DAESH angreift, bleibt DAESH weiterhin leistungsfähig und einsatzbereit, und das Assad-Regime wird von Tag zu Tag stärker.

In der Zwischenzeit bombardieren russische Jets weiter die syrischen Städte und Gemeinden, während Russland den Anschein gibt, diplomatisch zu handeln. Die Russen haben seit Dezember letzten Jahres alle einzelnen Vereinbarungen zum Waffenstillstand verletzt und ihre wahllosen Luftangriffe weiterhin fortgeführt, auch nach der Deklaration in München. Über 2000 Zivilisten sind bisher durch russische Luftangriffe gestorben.

Dies wirft eine grundlegende Frage über die mögliche Post-DAESH-Lage in Syrien. Auch wenn die DAESH besiegt wäre, was zwar mit der aktuellen Strategie gegen DAESH unwahrscheinlich ist, und das Assad-Regime mit seinen Kriegsverbrechen entflieht, würde der Krieg in Syrien nicht enden, weil das Assad-Regime, das durch Russland und Iran unterstützt wird, auch weiterhin gegen das syrische Volk kämpfen wird. Das bedeutet mehr Gemetzel, mehr Kriegsverbrechen und mehr Flüchtlinge.

Das kolossale Versagen der internationalen Gemeinschaft, die Menschen in Syrien in den letzten vier Jahren zu schützen, führte zum blutigsten Krieg und die schlimmste humanitäre Krise des 21. Jahrhunderts. Diejenigen, die die Terrorgruppen im Namen des Kampfes gegen DAESH unterstützen, tragen nur zu einer Verschlechterung der Lage bei.

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