Beliebtes Istanbuler Kunstmuseum schließt vor Neubau seine Türen

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ISTANBUL
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Seit seiner Eröffnung 2004 war das Istanbul Modern eine feste Größe am Bosporus und ein wichtiger Grund für den Aufstieg der Metropole zu einer der angesagtesten Touristenziele der Welt. Nun jedoch schließt das Kunstmuseum seine Pforten, um Platz für einen Neubau durch den italienischen Stararchitekten Renzo Piano zu machen. Viele Istanbuler nehmen mit einem Hauch von Wehmut Abschied von dem alten Lagerhaus, in dem die Kunstsammlung bisher am Ufer des Bosporus präsentiert wurde.

"Ja, in der Tat empfinden wir eine Art Melancholie und Nostalgie", sagt auch Museumsdirektor Levent Calikoglu der Nachrichtenagentur AFP, während Mitarbeiter vorsichtig Bilder abhängen und Skulpturen einpacken. "Doch eine neue Zukunft liegt vor uns und wir haben ein komplett anderes Ziel. Dieses neue Gebäude wird der Kunstwelt und Istanbul eine neue Vision bringen", ist Calikoglu überzeugt.

Das neue Gebäude von Renzo Piano, der bereits das Centre Pompidou in Paris und zahlreiche weitere Museen in den USA und Europa gebaut hat, soll in drei Jahren fertig sein. Bis dahin zieht die Sammlung vom alten Hafen von Galata einige hundert Meter weiter in ein historisches Gebäude im Istanbuler Stadtteil Beyoglu. Bis Mai soll der Umzug abgeschlossen sein und das Museum an neuer Stelle seine Türen öffnen.

An einem der letzten Tage vor der Schließung am 18. März waren die Säle im alten Lagerhaus von Besuchern aller Altersgruppen gefüllt. Einige blieben flüsternd vor einer großformatigen Leinwand des deutschen Künstlers Anselm Kiefer stehen, andere bewunderten ein abstraktes Gemälde von Fahrelnissa Zeid oder diskutierten über die schwarz-weißen Bilder des legendären Istanbuler Fotografen Ara Güler.

"Wir kommen, um die Ausstellung zu sehen, unsere Seele zu nähren, das inspiriert uns", sagte Nesrin Aktar, die seit langem ein Fan des Museums ist. Für Kunstliebhaber war das Istanbul Modern seit der Eröffnung im Dezember 2004 mit seinen regelmäßig wechselnden Ausstellungen, seiner Kunstbibliothek und seinem Kinoprogramm ein fester Anlaufpunkt. Auch bei der Kunst-Biennale spielte es stets eine wichtige Rolle.

Von der Terrasse des Museumscafés boten sich grandiose Ausblicke über den Bosporus, doch war der Ausblick zuletzt getrübt durch die umliegenden Baustellen. An dem Uferstreifen entsteht seit mehreren Jahren das Galataport-Projekt, das dem historischen Hafengebiet neuen Glanz geben und etwa ein neues Kreuzfahrtterminal umfassen soll. Auf ungeteilte Begeisterung stoßen die Pläne allerdings nicht.

Die Istanbuler Architektenkammer sieht bei dem Projekt Vorstöße gegen Bauregeln und fürchtet "nicht wieder gutzumachende Schäden". Die Vorsitzende der Museumsleitung, Oya Eczacibasi, zeigt sich aber überzeugt, dass das Galataport-Projekt, zu dem auch der Neubau von Renzo Piano gehören wird, "Istanbul viel geben" werde. Befürchtungen, das Museum werde seine Identität verlieren, mag sie nicht teilen.

Finanziert wird der Neubau von der Eczacibasi Gruppe, die seit jeher der Hauptsponsor des Museums ist, und der Dogus Group-Bilgili Holding. Wie die meisten Kulturprojekte in der Türkei gibt es keine staatlichen Subventionen. Den Entwurf für den Neubau will Renzo Piano später in diesem Jahr präsentieren. Museumsdirektor Calikoglu ist aber schon jetzt überzeugt, dass das Gebäude ein neues Symbol Istanbuls werden wird.

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