Türkei restauriert historische Moschee zur Pracht in Bosnien

DAILY SABAH MIT AGENTUREN
ISTANBUL
Veröffentlicht 09.05.2016 15:36
Türkei restauriert historische Moschee zur Pracht in Bosnien

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu sagte am Samstag, dass die wiedereröffnete historische Ferhat Pascha-Moschee eine Botschaft des Friedens für alle Menschen in Bosnien-Herzegowina und der Welt darstelle. Davutoğlu sprach bei der Eröffnungszeremonie der renovierten Ferhat Pascha-Moschee aus dem 16. Jahrhundert in der zweitgrößten Stadt des Landes, Banja Luka.

Die Moschee wird als kulturelles Symbol des Landes angesehen, jedoch erlitt diese einen großen Schaden im Mai 1993 während des Bosnien-Kriegs.

Bei seiner Rede betonte Davutoğlu drei wichtige Aspekte zur Wiedereröffnung der Moschee.

Der Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu (m) vor der Ferhat Pascha-Moschee nach der offiziellen Eröffnungszeremonie in Banja Luka, Bosnien, am Samstag.

Davutoğlu sagte, dass diese Wiedereröffnung wichtig in Bezug auf das Gewissen der Menschheit ist. „Diejenigen, die die Ferhat Pascha-Moschee vor 23 Jahren zerstört haben, zerstörten nicht nur eine Moschee, sondern auch das Gewissen der Menschheit. Mit dem Wiederaufbau dieser Moschee bauen wir tatsächlich dieses Gewissen wieder auf. Solange diese Moschee hier ist und der Azan gerufen wird, wiederhallt das Gewissen der Menschheit im Himmel von Banja Luka."

„Der zweite Aspekt ist unser gemeinsames kulturelles Erbe. Das gemeinsame kulturelle Erbe von Bosnien-Herzegowina ist in unserer 'Obhut'. Wir waren zusammen bei der Eröffnung der Mostar-Brücke, nun sind wir bei der Eröffnung der Ferhat Pascha, und inschallah (hoffentlich) werden wir auch bei der Eröffnung der Alaca-Moschee in Foca zusammen sein."

Davutoğlu versprach auch weitere Unterstützungen für die Restaurierung von zerstörtem Erbe in der Region.

„Ich verspreche im Namen der Türkei: Jedes einzelne zerstörte Objekt unseres kulturellen Erbes wird überprüft werden, damit sie ihren historischen Wert erhalten. Wir haben uns für die Kameradschaft, für die Menschheit und für das multikulturelle Bosnien-Herzegowina versammelt. Wir waren hier, wir sind hier und wir werden für immer hier sein", sagte Davutoğlu.

Davutoğlu betonte auch die Bedeutung der Einheit der Menschen von unterschiedlichem Glauben in Bosnien.

„Der dritte Aspekt ist über die Zukunft von Bosnien. Bosnien besteht aus Muslimen, Orthodoxen, Juden und Katholiken. Wer auch immer versucht Bosnien zu entzweien, versucht die Herzen der Menschen zu entzweien. Banja Luka kann niemals von Sarajevo getrennt werden, Sarajevo kann niemals von Mostar getrennt werden", sagte Davutoğlu.

„Die Wiedereröffnung der Ferhat Pascha-Moschee ist eine Botschaft des Friedens an die ganze Welt. Es gibt nur eine Handvoll von Städten, wo eine Moschee, eine Synagoge und eine Kirche nebeneinander stehen. Vielleicht in Istanbul und Sarajevo… Wenn diese spezifische Eigenschaft von Bosnien-Herzegowina beibehalten wird, dann würde die Menschheit in Bosnien vertreten werden. Wenn nicht, dann würde Bosnien auch ihre Seele verlieren", sagte er.

„Ihr habt 78 Millionen Türken als Freunde, die euch unterstützen", fügte er hinzu.

Die Türkei hat für die Kosten des Wiederaufbaus beigetragen. Nach 15 Jahren der Restaurierung wurde die Moschee am 7. Mai, an dem Jahrestag ihrer Zerstörung, wiedereröffnet. Zuständig für die Restaurierung war das Türkische Präsidium für Internationale Kooperation und Koordination (TIKA).

Die Moschee aus dem 16. Jahrhundert steht unter dem Schutz der UNESCO und ist ein herausragendes Beispiel der osmanischen Architektur. Die Ferhat Pascha-Moschee wurde vor 23 Jahren zerstört. Ein Parkplatz wurde an ihren ursprünglichen Platz gebaut. Viele glauben, dass die Zerstörung von den bosnischen Serben angeordnet wurde, um die einst multiethnische Stadt von allen Spuren des muslimischen Erbes zu beseitigen.

Während der Grundsteinlegung für die Moschee 2001, griffen serbische Nationalisten die Besucher und wichtige Persönlichkeiten an, wobei Dutzende verletzt wurden und ein Muslim ums Leben kam.

Es dauerte 15 Jahre bis die Muslime von Bosnien die Baugenehmigung und die Mittel erhielten, um die Moschee wiederaufzubauen. Tausende von Schuttstücken von dem ursprünglichen Gebäude wurden aus dem Fluss Vrbas und einer Müllhalde geborgen.

Der 7. Mai, der Tag an dem die Moschee zerstört wurde, ist nun der Tag der Moscheen in Bosnien, wo 614 Moscheen während des Kriegs 1992-95 zerstört wurden.

Heute leben nur 10 Prozent der muslimischen und kroatischen Vorkriegs-Bevölkerung in Banja Luka, nachdem eine serbische Operation das Gebiet einer ethnischen Säuberung unterzog, um ihren serbischen Kleinstaat zu reinigen.

„Ich bin begeistert", sagte Ajsa Nezirovic, 64, eine Muslima aus Banja Luka. „Ich weiß, es wird nie wieder dasselbe sein, aber dies könnte einigen Leuten das Gefühl geben, wieder in der Stadt willkommen zu sein."

„Ich will nur, dass diese Eröffnung friedlich und ohne Zwischenfälle vorübergeht, da es immer noch Spannungen gibt", sagte Tatjana Kecman, eine Serbin, auch aus Banja Luka.

„Die Moschee wurde wieder aufgebaut, aber unsere Kinder haben keine Arbeit und die Renten sind schlecht. Wir hatten es zuvor viel besser", sagte Fejhila, 58, eine Muslima, die während des Kriegs in Banja Luka blieb.

Efendi Husein Kavazovic, Leiter der Bosnischen Islamischen Gemeinschaft, sagte der lokalen Tageszeitung Nezavisne Novine am Freitag, dass die Wiedereröffnung ein Zeichen für das Gute sein könnte, aber fügte hinzu: „Wir sind noch weit davon entfernt, ehrlich einander in die Augen zu sehen und zu sagen: 'Es tut uns Leid. Es tut uns wirklich Leid'."

Der Krieg wirft einen langen Schatten hier, mit der Inhaftierung von bosnisch-serbischen Anführer Radovan Karadzic, der für Völkermord im März verurteilt wurde. Die Vereinigten Nationen sagen, dass die bosnisch-serbische Unterstützung für die Sezession des fragilen Bosniens eine Herausforderung für die 1995 Friedenserklärung ist.

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