Terrororganisation Daesh sprengt symbolträchtige Moschee in Mossul

DPA
MOSSUL, Irak
Veröffentlicht 22.06.2017 11:57
REUTERS

Kämpfer der Daesh-Terrororganisation haben nach Angaben der irakischen Armee die symbolträchtige und Jahrhunderte alte große Moschee in der umkämpften Metropole Mossul gesprengt - offensichtlich kurz vor einer drohenden Erstürmung des Gotteshauses.

Das teilte der irakische General Abdul Amir Raschid mit. Seine Soldaten seien am Mittwoch während der Detonation nur 50 Meter weg gewesen.

In der Moschee hatte Daesh-Chef Abu Bakr al-Bagdadi Anfang Juli 2014 bei einer Freitagspredigt erstmals öffentlich gezeigt. Die Moschee hat deshalb eine immense symbolische Bedeutung.

Einige Wochen vor dem Auftritt Al-Bagdadis 2014 in der Moschee hatten Kämpfer der Daesh Mossul überrannt. Dann rief die Daesh ein «Kalifat» im Irak und im benachbarte Syrien aus und ernannte Al-Bagdadi zum «Kalifen Ibrahim».

Die internationale Anti-Daesh-Koalition unter Führung der USA bestätigte die Angaben der irakischen Armee zu der Sprengung. «Das ist ein Verbrechen gegen die Bürger Mossuls und des ganzen Irak», sagte Major General Joseph Martin.

Irakische Truppen hatten vergangenen Herbst mit der Offensive auf die wichtigste Stadt im Irak unter Kontrolle der Daesh begonnen. Während der heftigen Kämpfe wurden Tausende Menschen getötet und Hunderttausende vertrieben. Übrig geblieben ist nur noch ein kleines Gebiet unter Daesh-Kontrolle im Zentrum der Stadt, darin liegt auch die große Moschee.

Ein von der Anti-Daesh-Koalition zur Verfügung gestelltes Luftbild eines weitgehend zerstörten Gebäudes zeigt offensichtlich die Überreste des Gebäudes. Auf dem Foto scheint das berühmte Minarett zerstört.

Das Gebetshaus geht auf das 12. Jahrhundert zurück und ist auch als Al-Nuri-Moschee bekannt, benannt nach Nur al-Din Sinki, einem Herrscher, der den Bau des Gebäudes in Auftrag gab.

Berühmt ist die Moschee nicht zuletzt wegen ihres schiefstehenden Minaretts, das vom Einsturz bedroht ist. Es wird auch «Al-Hadba» («Die Gekrümmte») oder scherzhaft «Der schiefe Turm von Mossul» genannt. Ungeeignetes Baumaterial und Wind sollen für die Schieflage verantwortlich sein. Es war zunächst unklar, wie sehr die Moschee durch die Explosion in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Etwa gleichzeitig mit der Armee verkündete die Daesh über sein Sprachrohr «Amak», dass die Moschee von einem US-Luftangriff getroffen worden sei. Die internationale Anti-Daesh-Koalition allerdings sprach in ihrer Mitteilung ausdrücklich davon, dass das Gebäude von den Terroristen gesprengt worden sei.

Zuvor hatten staatliche irakische Medien von einem weiteren Vorrücken der Armee in Mossul berichtet. Einen halben Kilometer seien sie in das verbliebene Viertel der Terroristen in der Altstadt eingedrungen. Die vollständige Einnahme der Großstadt sei nicht mehr fern, sagte ein Militärsprecher. Die Soldaten seien mit mindestens zwei Luftangriffen unterstützt worden.

Die Daesh steht militärisch im Irak und in Syrien mit dem Rücken zur Wand. Zudem behauptete Russland vor wenigen Tagen, Anführer Al-Bagdadi bei einem Luftangriff getötet zu haben. Eine Bestätigung gab es zunächst nicht.

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