Nach Israel und Russland: Türkei ist bereit, Ägypten eine Chance zu geben

YUNUS PAKSOY @yunuspaksoy
ISTANBUL
Veröffentlicht 08.07.2016 15:19
Nach Israel und Russland: Türkei ist bereit, Ägypten eine Chance zu geben

Mit der Normalisierung der Beziehungen zu Russland und Israel, um die Stabilität der Region wiederherzustellen, plant die Türkei nun eine Versöhnung mit Kairo. Der Co-Vorsitzende der Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (AKP) signalisierte eine neue Phase in den Beziehungen zu Ägypten, die die Fortschritte der Außenpolitik des Ministerpräsidenten Binali Yıldırım widerspiegelt.

„Es wird erwartet, dass die Türkei und Ägypten sich versöhnen", sagte Burhanettin Duran, der Direktor der Forschungs-Stiftung für Politik, Ökonomie und Gesellschaft (SETA), der Daily Sabah.

„Nach dem Ramadan Bayram wird ein Komitee Ägypten besuchen", sagte Dişli. „Ein demokratisch gewählter Präsident ist hinter Gittern. Dies ist ein Problem. Die Opposition im Land als Ganze zu bestrafen ist auch besorgniserregend. Dies sollte verbessert werden", erklärte Duran.

Duran sprach bei einer Bayram-Veranstaltung der Eisenbahn-Gewerkschaft in Sakarya und sagte: „Die Beziehungen zu Ägypten werden hoffentlich gemäßigt. Mit dieser Mäßigung müssen wir das Massaker in Syrien stoppen." Er erklärte, dass die Offene-Tür-Politik der Türkei für die syrischen Flüchtlinge fortgesetzt wird.

„Die Probleme in Ägypten sind ihre internen Angelegenheiten, aber alle haben mit der Demokratie zu tun, was für Ankara wichtig ist", sagte Duran und fügte hinzu, dass die Türkei eine lange Geschichte mit den Ägyptern teilt.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sagte am Dienstag, dass die Türkei kein Problem mit den Menschen in Ägypten hat und betonte: „Das Problem mit Ägypten ist ein Problem mit der Verwaltung, vor allem mit seinem Oberhaupt." Er erklärte, dass der Normalisierungsprozess mit Russland und Israel sich von den Beziehungen zu Ägypten unterscheidet. „Es ist uns nicht möglich, diejenigen zu befürworten, die die Morsi Regierung tyrannisieren."

Der Ministerpräsident Binali Yıldırım sagte Anfang dieser Woche, dass die Türkei friedliche und gute Beziehungen mit jedem begrüßt, einschließlich Russland und Israel.

Yıldırım sprach mit den Reportern nach einer Kabinettssitzung in Ankara und sagte: „Wir sind entschlossen friedliche und praktische Beziehungen mit allen zu entwickeln; von Russland bis Israel, Ägypten bis Syrien, dem Irak und dem Iran, den EU-Ländern und den USA. Wir werden weiterhin daran arbeiten."

„Ich erwarte keine schnelle Versöhnung mit Ägypten. Doch Besuche und Treffen auf Ministerebene sind möglich", sagte Duran und fügte hinzu, dass man sich mit den ‚kalten' Beziehungen auseinandersetzen sollte.

Nach dem Bayram-Gebet in Istanbul sagte Erdoğan, dass die Türkei die Entscheidungen von Ägypten nicht akzeptiere. Er bezog sich auf den 2013 Putsch, wo der demokratisch gewählte Morsi gestürzt und an seine Stelle der ehemalige Verteidigungsminister Sissi gesetzt wurde. „All die Menschen in Ägypten sind unsere Brüder. Die Haltung gegen Morsi und seine Freunde zu akzeptieren würde uns in eine schwierige Position als Muslime, als Menschen und als Personen, die an die Demokratie glauben, setzen."

Der Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu sagte auch, dass die Türkei bereit ist, die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Ägypten wiederherzustellen. Außerdem betonte er, dass die Türkei Ägypten in der internationalen Arena stärker sehen möchte.

Er erklärte, dass die Zerbrechlichkeit der ägyptischen Regierung durch die Massentodesurteile, die politisch motivierten Entscheidungen und eine hohe Zahl von politischen Gefangenen nur verstärkt werde. „Wir hielten kurze Gespräche mit dem ägyptischen Außenminister und tauschten unsere Meinungen aus", sagte Çavuşoğlu.

Die türkisch-ägyptischen Beziehungen verschlechterten sich, als der erste demokratisch gewählte Präsident Mohammad Morsi gestürzt wurde und die Menschenrechtsverletzungen sich steigerten. Präsident Erdoğan brachte seine Unterstützung für Morsi und die Muslimische Bruderschaft zum Ausdruck, auf Kosten der Verschlechterung der ägyptischen Beziehungen.

Die Putsch-Regierung von Präsident Abdel-Fattah el-Sissi attackiert Journalisten, Akademiker und Unterstützer der Demokratie. Viele wurden festgenommen und befinden sich in militärischen Einrichtungen; viele starben aufgrund der schlechten Behandlungen seitens der Polizei.

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