St. Petersburg bewies sich als Wendepunkt für türkisch-russische Beziehungen

SERDAR KARAGÖZ @serdarkaragoz
ST. PETERSBURG
Veröffentlicht 10.08.2016 12:58
EPA

Das erste Treffen zwischen Präsident Erdoğan und russischen Präsidenten Putin nach der Abschuss-Krise öffnet eine neue Ära für die bilateralen Beziehungen. Die beiden Staatsoberhäupter betonten die Bereitschaft bei wirtschaftlichen und regionalen Fragen zusammenzuarbeiten.

Bei seinem ersten Auslandsbesuch nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei bedankte sich Präsident Recep Tayyip Erdoğan bei dem russischen Präsidenten Wladimir Putin für seine Einladung, um über ihre angespannten Beziehungen, nach dem Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs an der türkisch-syrischen Grenze, zu diskutieren.

Nach einem „positiven Treffen" sprachen die beiden Präsidenten mit der Presse über ihre Pläne zur Normalisierung der Beziehungen. „Wir diskutieren darüber, was wir tun könnten, um unsere Beziehungen zur ihrer alten Stärke zu bringen. Mit neuen Investments, abgeschlossenen Projekten und Treffen von Geschäftsleuten aus beiden Ländern, planen wir unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu erweitern. Energie und Projekte im Zusammenhang mit Energie werden einen Großteil der wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder bilden", sagte Putin und fügte hinzu, dass die türkischen Unternehmen, deren Arbeit in Russland zuvor verboten wurde, wieder ihre Arbeitserlaubnis erhalten haben.

Putin bedankte sich bei Erdoğan für seinen Besuch und sagte, dass die Türkei und Russland für den regionalen und globalen Frieden zusammenarbeiten werden. Dabei erklärte er, dass die Situation in Syrien in weiteren Treffen beider Präsidenten diskutiert wird. Erdoğan betonte, dass sein erster Auslandsbesuch nach dem vereitelten Putschversuch in Russland war und sagte, dass die Türkei und Russland darauf hinarbeiten werden, die Beziehungen zu einem vernünftigen Niveau zu bringen. „Türkisch-russische Beziehungen sind nicht nur für gegenseitige Beziehungen wichtig, sondern auch für globale Fragen äußerst bemerkenswert", erklärte Erdoğan. Vor dem Treffen sagte der türkische Präsident, dass die Türkei die Beziehungen zu Russland nach der Normalisierung in eine neue Phase gehen wird.

Putin sagte, dass die Menschen beider Länder von der Wiederherstellung der Beziehungen profitieren werden. „Ihr heutiger Besuch, trotz einer sehr schwierigen Situation in Bezug auf die Innenpolitik, deutet darauf hin, dass wir alle einen neuen Dialog beginnen und die Beziehungen zwischen Russland und der Türkei wiederherstellen wollen", erklärte Putin und fügte hinzu, dass er einer der ersten Staatsoberhäupter war, die Erdoğan nach dem Putschversuch des 15. Julis anriefen.

„Russland ist gegen jede Art von Putschversuchen", sagte Putin und fügte hinzu, dass er sich freue eine Gelegenheit zu haben, eine Reihe von Fragen mit der Türkei zu erörtern, einschließlich die wirtschaftlichen Beziehungen und die Anti-Terror-Maßnahmen. „Ich hoffe, dass das türkische Volk unter Ihrer Leitung dieses Problem überwinden wird", sagte er zu Erdoğan.

Erdoğan betonte, dass die Wiederherstellung der bilateralen Beziehungen auch zu der Lösung von verschiedenen Problemen in der Region beitragen wird. Erdoğan und seine Delegation wurden im Konstantin-Palast in St. Petersburg herzlich willkommen geheißen.

Präsident Erdoğan wurde von Vize-Ministerpräsidenten Mehmet Şimşek, Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu, Energie Minister Berat Albayrak, Nachrichtendienst-Chef Hakan Fidan und weiteren Ministern und Diplomaten begleitet.

Daily Sabah traf sich mit dem russischen Botschafter Andrey Karlow in Ankara und diskutierte den Besuch. Karlow betonte, dass Russland immer eine Zusammenarbeit befürwortete, wo beide Länder davon profitieren können. Er sagte, dass beide Präsidenten erste Schritte in Richtung einer gemeinsamen Haltung in Bezug auf den syrischen Bürgerkrieg machten. Karlow unterstrich, wie wichtig eine Zusammenarbeit im Kamp gegen die Daesh sei und sagte auch, dass eine umfassende Kooperation einer schnelleren Beseitigung des internationalen Terrorismus bedeutet.

Karlow wiederholte, dass Russland die demokratisch-gewählte Regierung in der Türkei unterstützt und gegen jegliche verfassungswidrige Handlungen sei. In Bezug auf die Gülen-Schulen, sagte Karlow, dass Russland die Struktur des Schulsystems und ihre Absichten seit langem kennt. Daher wurden alle Gülen-Schulen 2006 geschlossen.

Die Beteiligung von zwei Kampfjet-Piloten im FETÖ-Putschversuch, die den russischen Jet im vergangenen November abschossen und somit die türkisch-russischen Beziehungen schädigte, führte zu einer Debatte in der türkischen-politischen Agenda. Viele argumentierten, dass die FETÖ, von der USA unterstützt, die Absicht hatte, die türkisch-russischen Beziehungen durch einen Abschuss eines Jets zu verschlechtern. Putin Außenpolitikberater Alexander Dugin sagte auch vor kurzem, dass die FETÖ-Pilote absichtlich den russischen Kampfjet abschossen. Dugin erklärte, dass die Tötung von Kräften durchgeführt wurde, die die Beziehungen zwischen den beiden Ländern beeinflussen wollte.

Am 24. November fingen zwei türkische F-16-Kampfflugzeuge einen russischen Kampfjet ab, als dieser in den türkischen Luftraum in der Nähe der syrischen Grenze ohne Erlaubnis eindrangen. Der russische Jet erhielt zehn Warnungen über ihre Überschreitung der Luftgrenze, bevor es abschossen wurde. Am 27. Juni äußerte Erdoğan sein Bedauern über den Vorfall in einem Brief zu Putin.

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