Gülen bereit zur Rückkehr aus den USA in die Türkei

DAILY SABAH MIT AFP
ISTANBUL
Veröffentlicht 23.09.2016 16:25
Gülen bereit zur Rückkehr aus den USA in die Türkei

Der islamische Prediger Fethullah Gülen und Anführer der Gülenisten-Terrororganisation (FETÖ) ist zu einer Rückkehr in die Türkei bereit, sollten die USA dem Auslieferungsgesuch aus Ankara zustimmen. Gülen, den die türkische Regierung für den Putschversuch am 15. Juli verantwortlich macht, sagte dem ZDF "heute-journal" laut einer Vorabmeldung vom Freitag, wenn die USA zu der Forderung aus Ankara nach einer Überstellung "Ja sagen", werde er seine restlichen Tage von der türkischen Regierung "gepeinigt" in der Türkei verbringen.

"Eine internationale Organisation soll die Sache untersuchen", sagte Gülen weiter. Der türkischen Führung sei es allerdings bislang nicht "gelungen, irgendetwas Handfestes vorzuweisen". Vielmehr sei der Vorwurf, er sei für den gescheiterten Umsturz verantwortlich, ein Mittel, um seine Bewegung zu schwächen. "Man hat nur einen ernst zu nehmenden Vorwand gebraucht", sagte Gülen.

​Die Türkei hat zuvor zwei offizielle Anträge für die Auslieferung von Gülen gestellt, darunter auch ausreichende Dateien, die die FETÖ für den Putschversuch des 15. Julis verantwortlich macht. Der US-Vizepräsident Joe Biden gab am Donnerstag zu, dass die Türkei „konkrete Beweise" zur Schuld von Gülen geliefert habe. Dies berichtete der türkische Justizminister Bekir Bozdağ im Rahmen des UN-Gipfels in New York.

Der Prediger lebt seit 1999 im selbst verhängten US-Exil. Schon Mitte August hatte er in einem Beitrag für die Zeitung "Le Monde" eine "internationale Untersuchung" zu dem Umsturzversuch gefordert. "Sollte auch nur ein Zehntel der gegen mich erhobenen Vorwürfe bestätigt werden, verspreche ich, in die Türkei zurückzukehren und die schwerste Strafe auf mich zu nehmen", schrieb er damals.

In dem am Mittwoch in den USA geführten ZDF-Interview ging Gülen mit Erdoğan nun hart ins Gericht und warf ihm "Paranoia" vor. "Ich glaube, er zittert und schlottert vor Angst", sagte Gülen. Der Staatschef sei "von der Macht vergiftet", und "schädlich für die Türkei".

Am 15. Juli versuchte eine Gruppe der Gülenisten-Terrororganisation (FETÖ) die demokratisch gewählte Regierung der Türkei zu stürzen. Der Putschversuch wurde von loyalen militärischen Truppen, zusammen mit Polizeieinheiten und Millionen von türkischen Bürgern, verhindert. 246 Menschen, hauptsächlich Zivilisten, wurden von den Putsch-Soldaten getötet, während mehr als 2.000 Menschen verletzt wurden.

Die türkische Regierung hat wiederholt erklärt, dass der tödliche Putschversuch von den Gülen-Anhängern und seiner Gülenisten-Terrororganisation (FETÖ) durchgeführt wurde.

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