Erdoğan: USA muss Souveränität der Türkei akzeptieren

DAILY SABAH MIT DPA
ISTANBUL
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Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat am Samstag den Nato-Bündnispartner USA vor einer weiteren Eskalation der Krise gewarnt.

Sollte die US-Regierung die Souveränität der Türkei nicht respektieren, „dann könnte unsere Partnerschaft in Gefahr sein", schrieb Erdogan in einem Gastbeitrag der „New York Times". Die Türkei werde ansonsten damit beginnen, „nach neuen Freunden und Verbündeten" zu suchen.

Diese Handlungen der USA würden nur die amerikanischen Interessen und die Sicherheit der Nation schaden, so Erdoğan.

„Der Versuch meine Regierung zu zwingen, in einen Justizprozess einzugreifen, steht nicht im Einklang mit unserer Verfassung oder unseren gemeinsamen demokratischen Werten."

Am Freitag hatte US-Präsident Donald Trump bekannt gegeben, dass er die Verdopplung der Zölle auf den türkischen Import von Stahl und Aluminium bewilligt habe.

Erdoğan sagte, dass die beiden Länder seit sechs Jahrzehnten strategische Partner und Nato-Verbündete seien. Dabei erinnerte er Washington daran, dass die Türkei und die USA gemeinsam gegen die Herausforderungen des Kalten Krieges und seiner Folgen „Seite an Seite gestanden" hatten.

„Im Laufe der Jahre ist die Türkei, wann immer es nötig war, Amerika zur Hilfe geeilt", sagte er.

Beispielsweise hätten die Soldaten beider Länder im Korea-Krieg zusammen Blut vergossen. „1962 konnte die Regierung Kennedys die Sowjet Union dazu bringen ihre Raketen von Kuba zu entfernen, indem die Jupiter-Raketen von Italien und der Türkei abgezogen wurden."

Nach dem 11. September hatte Washington auf ihre Freunde und Partner gezählt, um das „Böse zu bekämpfen". „Wir hatten unsere Truppen nach Afghanistan geschickt, um die Nato-Mission durchzuführen."

Der türkische Präsident warf Washington vor, „wiederholt und konsequent die Bedenken der türkischen Bevölkerung nicht zu verstehen und zu respektieren".

Die US-Reaktion auf den gescheiterten Putschversuch sei alles andere als befriedigend gewesen, da amerikanische Vertreter „die Stabilität, den Frieden und die Kontinuität in der Türkei" forderten aber keine Anstrengungen unternahmen, den Anführer der Putschisten, Fetullah Gülen, auszuliefern.

Erdoğan erwähnte auch die US-Unterstützung für den syrischen PKK-Ableger YPG als weiteren Grund der Frustration. Washington habe 5.000 LKWs und 2.000 Frachtflugzeuge genutzt, um Waffen an eine bewaffnete Gruppe zu liefern „die seit 1984 für den Tod von Tausenden türkischen Staatsbürgern verantwortlich und von den USA als eine Terrororganisation eingestuft ist."

Die Beziehungen zwischen der Türkei und den USA haben sich in den letzten Wochen aufgrund des US-Pastors Brunson verschlechtert. Der US-Pastor war im Dezember 2016 im westtürkischen Izmir wegen Terrorvorwürfen inhaftiert worden. Ein Gericht wandelte seine Untersuchungshaft aufgrund gesundheitlicher Probleme in Hausarrest um. Er wurde aus dem Gefängnis entlassen, darf aber sein Wohnhaus nicht verlassen.

Andrew Brunson werden Verbindungen zur verbotenen Terrororganisation PKK und zur Gülen-Sekte (FETÖ) vorgeworfen, die für den Putschversuch im Juli 2016 verantwortlich ist.

Nachdem die Türkei den Forderungen Washingtons zur Freilassung des Pastors nicht nachging, hat die US-Regierung Sanktionen gegen die Innen- und Justizminister der Türkei verhängt. Die Türkei antwortete mit gleichen Sanktionen gegen US-Minister.

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