Ministerpräsident Paschinian: Armenien bereit für neue Beziehungen zur Türkei

DAILY SABAH
ISTANBUL
Veröffentlicht 11.12.2018 00:00
Aktualisiert 11.12.2018 13:44
Reuters

Armenien sei bereit, direkte Beziehungen zur Türkei aufzubauen, sagte der amtierende Ministerpräsident Nikol Paschinian, dessen Wahlallianz am Sonntag die vorgezogenen Parlamentswahlen gewonnen hat.

„Ich habe schon oft gesagt, dass wir bereit sind, ohne Vorbedingungen direkte Beziehungen zur Türkei aufzubauen. Und wir hoffen, dass die Türkei auch dazu bereit ist", so Paschinian am Montag im Sitz des Ministerpräsidenten.

Das Problem sei, „dass die Beziehung zur Türkei leider mit dem Berg-Karabach-Konflikt in Verbindung steht".

„Es ist eine sehr merkwürdige Situation, wenn die Beziehungen zwischen zwei Ländern so stark mit einem Drittland verbunden sein können (…) ich meine Aserbaidschan", fügte der Ministerpräsident hinzu. Dies sei das „größte Problem" für die Beziehungen zur Türkei.

Die armenische Besetzung vom Berg-Karabach – ein umkämpftes Gebiet zwischen Aserbaidschan und Armenien - führte zur Schließung der Grenze zur Türkei, die Baku in diesem langwierigen Streit unterstützt.

Die politischen Beziehungen zwischen Ankara und Jerewan liegen aufgrund des Karabach-Konflikts sowie den tragischen Ereignissen während des Ersten Weltkrieges, die mit dem Tod von vielen tausend Armeniern verbunden sind, aber auch zu Massakern an Teilen der türkischen Bevölkerung geführt haben, auf Eis. Die armenische Diaspora und die Regierung bezeichnet die Deportation der Armenier als „Völkermord". Die Türkei lehnt die Bezeichnung „Völkermord" kategorisch ab und sieht darin eine politische Instrumentalisierung des Konflikts.

Laut Ankara sind damals rund 300.000 bis 500.000 Armenier und mindestens ebenso viele Türken ums Leben gekommen. Armenische Freischärler hatten sich im Laufe der Auseinandersetzungen organisiert und die anrückenden russischen Truppen an der Ostfront unterstützt.

Am Montag gab die Wahlkommission Armeniens bekannt, dass Paschinians Allianz bei den Wahlen am Sonntag 70,4 Prozent der Stimmen erhalten habe.

Im April hatte der ehemalige Journalist Paschinian Massenproteste gegen die regierende Republikanische Partei angeführt und den Alltag in Jerewan zum Erliegen gebracht. Die Proteste führten zum Rücktritt des früheren Ministerpräsidenten Sersch Sargsjan.

Paschinian, der im Mai zum Ministerpräsidenten des Landes ernannt worden war, legte im Oktober sein Amt nieder, um den Weg für vorgezogene Wahlen zu ebnen.

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