Beijing 2008: 14 russische Sportler unter Dopingverdacht

DPA
MOSKAU
Veröffentlicht 24.05.2016 16:33
Aktualisiert 26.05.2016 08:46
Hochspringerin Anna Tschitscherowa steht ebenfalls unter Verdacht (DPA Foto)
Hochspringerin Anna Tschitscherowa steht ebenfalls unter Verdacht (DPA Foto)

Russland versinkt immer mehr im Dopingsumpf und muss mehr denn je den Ausschluss von den Olympischen Spielen in Rio fürchten.

Gut zwei Wochen nach Bekanntwerden des mutmaßlichen Skandals um die systematische Manipulation von Dopingproben bei den Winterspielen in Sotschi 2014 wurde die von Erfolg besessene Sportnation nun von den nächsten Negativ-Schlagzeilen erschüttert. Gleich 14 russische Athleten stehen bei den Nachkontrollen der Sommerspiele 2008 in Peking unter Dopingverdacht. Das berichtet die Nachrichtenagentur TASS mit Verweis auf das Nationale Olympische Komitee von Russland (ROC). Als erster Name wurde die Hochsprung-Olympiasiegerin Anna Tschitscherowa publik, die 2008 Bronze geholt hatte.

Damit stammen fast die Hälfte der in Nachkontrollen verdächtigen Proben von russischen Sportlern. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte jüngst mitgeteilt, dass durch verfeinerte Testverfahren zu den Spielen in China 31 Proben auffällig geworden waren. Namen wurden zunächst nicht genannt, deutsche Sportler sollen nicht darunter sein. Die betroffenen Athleten kommen aus zwölf verschiedenen Ländern, insgesamt sechs Sportarten sind betroffen.

Allen voran aber wieder die russischen Sportler. Es ist die Fortsetzung einer nicht enden wollenden Skandal-Serie. Kein Wunder, dass immer mehr Sportler, Funktionäre und Fachleute einen Olympia-Bann für Russland fordern, wie etwa Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel. "Alles andere als eine saftige Strafe, wie ein Ausschluss von den Spielen in Rio würde doch niemand mehr verstehen. Nur das würde zumindest kurzfristig Wirkung zeigen und anderen Ländern eine Warnung sein. Russland gehört auf die Anklagebank", sagte Sörgel der Deutschen Presse-Agentur.

Derartigen Forderungen trat der vielbeschäftigte russische Sportminister Witali Mutko sogleich mit markigen Worten entgegen. "Wenn das ganze Team in Rio suspendiert wird, kehren wir zu Zeiten der Boykotte zurück. Der Staat hat niemals Doping unterstützt", sagte Mutko.

Kein Staatsdoping? Schwer zu glauben, angesichts der brisanten Äußerungen von Gregori Rodschenkow. Der ehemalige Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors hatte vor gut zwei Wochen von systematischer Manipulation bei Doping-Proben während der Winterspiele 2014 in Sotschi gesprochen. 15 der russischen Medaillengewinner sollen demnach gedopt gewesen sein. Die Welt-Anti-Doping-Agentur hat eine Untersuchung eingeleitet, die bis zum 15. Juli abgeschlossen sein soll. Russland sicherte der WADA und dem IOC volle Kooperation zu, ein Olympia-Ausschluss aller Sportler sei aber nicht akzeptabel.

Doch es könnte in Sachen Dopingskandale noch schlimmer für Russland kommen. Innerhalb der nächsten zwei Wochen sollen die Nachanalysen von den Sommerspielen in London vorliegen. Dass bei den Peking-Proben wieder zahlreiche russische Athleten betroffen sind, ist für Sörgel keine Überraschung. "Es ist lediglich der Beweis, dass all die schlimmen Vorfälle, die in den letzten zwei Jahren bis in die letzten Tage bekannt wurden, Teil eines über viele Jahre praktizierten Staatsdoping waren. Wenn man noch andere Proben aus anderen Wettbewerben seit Peking hätte, könnte man die Doping-Geschichte Russlands sogar lückenlos darstellen."

Aber auch so scheint den Experten mehr und mehr klar zu sein, dass die russischen Erfolge in der Vergangenheit nur auf Lug und Trug basierten. Vertuschte Proben, systemastische Manipulation bis hin zur Bestechung von Funktionären: Schon der WADA-Report im November vergangenen Jahres zum russischen Leichtathletik-Skandal hatte einen tiefen Einblick gegeben, woraufhin der Leichtathletik-Weltverband die russischen Sportler suspendierte. Am 17. Juni will die IAAF entscheiden, ob der Bann weiter aufrecht erhalten wird.

Bei den 14 verdächtigen russischen Peking-Teilnehmern sollen in erster Linie Leichtathleten betroffen sein, wie TASS berichtet. Auf welche Mittel die Athleten positiv getestet wurden, ist bislang nicht bekannt. Auch das IOC hat aus taktischen Gründen darauf verzichtet, in welche Richtung die Nachkontrollen abzielten. Die Aktion war aber offenbar ein voller Erfolg.

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