Das türkische Karate-Paar – ein Leben zwischen Familie und Sport

DAILY SABAH
ISTANBUL
Veröffentlicht 31.07.2017 15:25
Das türkische Karate-Paar – ein Leben zwischen Familie und Sport

Das Schicksal brachte die beiden Karatekämpfer im Alter von 17 Jahren zusammen. Mehmet und Tuba Yakan haben sich im Camp der türkischen Karate-Nationalmannschaft kennengelernt.

Sie verliebten sich sofort ineinander und bekamen die Chance, die Nationalmannschaft bei internationalen Wettbewerben zu vertreten.

Das Paar hat bisher an vielen nationalen und internationalen Turnieren teilgenommen. Sie haben sich gegenseitig unterstützt und haben zusammen mehr als 700 Medaillen gewonnen.

Mehmet und Tuba sind nun seit vier Jahren verheiratet, ihre 1-Jährige Tochter namens Derin wird in der Nationalmannschaft als kleiner Glücksbringer gesehen. Sie ist bei jedem Turnier mit dabei.

Tuba gewann ihre letzte Goldmedaille bei der „52. Karate-Meisterschaft" und widmete diese Medaille ihrer kleinen Tochter, genauso wie Mehmet, der das gleiche mit seiner Silbermedaille tat, die er bei den 4. Islamischen Solidaritätsspielen gewann.

Daily Sabah hat das Paar und ihre kleine Tochter in dem Sportstudio getroffen, wo sie für das nächste Turnier trainieren.

Das Interview dreht sich um Liebe, Erziehung und das Sportlerleben

Daily Sabah: Wo habt ihr euch kennengelernt?

Mehmet Yakan: Im Trainingslager der Nationalmannschaft im Jahr 2009, als wir uns für die Karate-Weltmeisterschaft in Marokko vorbereiteten. Tuba und ich hatten uns davor zwar schon gesehen gehabt, aber das erste Mal unterhalten, haben wir uns im Camp wir waren damals beide 17 Jahre alt.

D.S.: War es Liebe auf den ersten Blick?

M.Y.: Ja, das war es. Ich habe Tuba sofort angeschrieben und ihr erzählt, dass ich sie gerne kennenlernen würde. Als Antwort bekam ich allerdings nur gesagt: „Wir müssen uns auf den vor uns liegenden Wettkampf konzentrieren, jetzt ist nicht die Zeit für so was."

T.Y.: Die Karate-Weltmeisterschaft in Marokko war für mich sehr wichtig und ich hatte etwas gezögert eine Beziehung mit Mehmet einzugehen, vor allem auch wegen den Trainern. Doch trotzdem konnten wir unsere Gefühle füreinander nicht verbergen und haben eine Beziehung angefangen. Als ich die Goldmedaille bei der Karate-Europameisterschaft im Jahr 2013 gewann und Mehmet die Bronzemedaille, beschlossen wir zu heiraten.

D.S.: Ihr habt mehr als 700 Medialen gewonnen und seid beide erfolgreiche Athleten. Wie wirkt sich das auf eure Beziehung aus?

Wir kennen uns sehr gut und helfen uns gegenseitig. Mit Mehmet an meiner Seite fühle ich mich stärker.

Wir sind seit vier Jahren verheiratet und unsere Ehe ist perfekt. Allerdings sind wir 10 Monate im Jahr im Trainingscamp der Nationalmannschaft. Wir trainieren fast den ganzen Tag, dennoch finden wir Zeit füreinander.

D.S.: Was hat sich alles geändert als du Mutter wurdest?

Ich musste für eine Weile die Nationalmannschaft verlassen, nachdem ich Derin auf die Welt brachte. Allerdings habe ich nach einer kurzen Babypause das Training wieder aufgenommen. Obwohl ich die ganze Nacht lang nicht schlafen konnte, war ich am nächsten Morgen wieder fit fürs Training. Meine Tochter war nur zwei Monate alt, als ich wieder anfing zu trainieren. Zunächst kümmerte sich unser Trainer um sie, als ich beim Sport war.

Ich musste viel härter arbeiten, um wieder so gut zu werden, wie vor der Geburt. Meine erste Goldmedaille widmete ich meiner Tochter. Sie ist mein kleiner Glücksbringer.

D.S.: Sie haben beide Medaillen bei der letzten Europameisterschaft und den islamischen Solidaritätsspielen gewonnen. Was ist ihr Traum?

Die Türkische Karate Föderation wurde 1981 gegründet. In diesem Jahr erhielt die Nationalmannschaft Medaillen bei wichtigen Meisterschaften. Als türkische Karate-Nationalmannschaft erhielten wir bei der Karate-Europameisterschaft 14 Medaillen in 16 verschiedenen Kategorien. Das Team hat zudem 11 Medaillen in 12 Kategorien bei den islamischen Solidaritätsspielen in Baku gewonnen. Wir wollten auch Medaillen bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020 gewinnen. Unser Traum ist olympisches Gold, damit wir unser Team krönen und Geschichte schreiben können.

D.S.: Trainiert ihr auch zusammen?

Wenn wir Joggen gehen oder mit Gewichten trainieren, dann machen wir das zusammen.

Meine und die Kategorie von Mehmet unterscheiden sich. Er macht Kata, während ich kämpfe. Deshalb können wir fürs Karate nicht zusammen Trainieren.

D.S: Sehen Sie sich gegenseitig die Kämpfe an?

Ich bin wirklich aufgeregt, wenn ich mir ein Kampf von Mehmet ansehe - mehr als bei meinen eigenen Kämpfen. Wenn ich verliere, verliere ich manchmal die Kontrolle über mich und fange an rumzuschreien. Nach einer Niederlage während den Islamischen Solidaritätsspielen war ich so sauer, dass ich fast die Sitze raus gerissen habe. Ich werde wütend, weil ich weiß, dass ich es eigentlich besser kann, denn ich arbeite wirklich hart. Bei meinen Siegen springe ich kreischend in Mehmets Arme.

Da die Kategorie Kampf und nicht Stil ist, wird sie manchmal wirklich sehr hart getroffen, das macht mich sehr wütend. Stellen Sie sich mal vor ruhig zu bleiben, wenn Sie mit ansehen müssen, wie die Liebe ihres Lebens ins Gesicht geschlagen wird. Wir Türken sind da sehr emotional. Während sie Kämpft, rufe ihr zu, um sie zu unterstützen. Nach ihren Kämpfen denke ich, dass ich erschöpfter bin als sie.

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