Toni Kroos findet Kritik an Özil-Foto mit Präsident Erdoğan berechtigt

DAILY SABAH MIT DPA
BERLIN, Deutschland
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Die deutsche Fußball-Nationalspieler Toni Kroos hat die Stellungnahme von Özil kritisiert. Gleichzeitig wies er auf sportliche Probleme in der Nationalmannschaft hin.

«Wir müssen als Mannschaft, gemeinsam mit dem Trainerteam, einen Weg finden, damit wir unsere Philosophie – den Ball haben zu wollen – wieder mit erfolgreichem Fußball verbinden», sagte der Weltmeister von 2014 und Fußballer des Jahres in einem Interview der «Bild»-Zeitung.

Kroos verlangte, «dass wir wieder gieriger und zwingender werden, was das Toreschießen angeht». Dazu muss der Gegner wieder das Gefühl bekommen, dass er ungern gegen Deutschland spielt, fügte der Mittelfeldspieler von Real Madrid hinzu. «Wir müssen wieder unangenehmer werden im Defensivverhalten als Mannschaft. Das müssen wir verbessern – ohne dabei nur aufs Verteidigen aus zu sein.»

Die bei der Weltmeisterschaft in Russland zu beobachtende Konzentration der Teams auf die Defensive mit dem Setzen von Nadelstichen nach vorn sieht Kroos nicht als Mittel für die DFB-Auswahl. «Diese Entwicklung sollten wir nicht mitgehen. Wir müssen in unserem Spiel bessere Lösungen finden. Die Qualität dafür bringen wir nach wie vor mit, davon bin ich überzeugt», sagte Kroos.

Gleichzeitig forderte er, man müsse wieder dahin kommen, dass jeder in der Mannschaft sein Ego in den Hintergrund stelle. Das werde in den Zeiten von Social Media, einigen ausschließlich lobenden Beratern und anderen Einflüssen allerdings nicht einfacher. «Wer nur auf Lobeshymnen hört und dann denkt, er ist der Beste, Tollste und Schönste, der tut sich schwer damit, wenn er plötzlich auf der Bank sitzt», sagte Kroos.

Über den Rücktritt von Mesut Özil hat sich Kroos kritisch geäußert. Die umstrittenen Fotos von Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan sieht er aber nicht als Grund für das erstmalige Vorrunden-Aus bei einer WM: «Aus meiner Sicht wäre es peinlich, sich als Mannschaft hinter dieser - hauptsächlich öffentlich ausgetragenen - Debatte zu verstecken und dies mit als Grund für das Abschneiden zu nennen.»

Özil sei «ein lieber Kerl» und hätte «einen besseren Abgang verdient gehabt», sagte Kroos. Die Art und Weise des Rücktritts sei aber «nicht in Ordnung» gewesen. Der Weltmeister von 2014 habe die Chance verstreichen lassen, sich zu dem Foto mit Erdogan zu erklären. Darauf war Özil erst bei seinem Rücktritt im Juli eingegangen.

«Der Anteil, der in seiner Erklärung gut und richtig angesprochen wird, wird leider durch den wesentlich höheren Anteil an Quatsch überschattet», sagte Kroos. «Ich denke, dass er selbst weiß, dass es Rassismus innerhalb der Nationalmannschaft und des DFB nicht gibt. Ganz im Gegenteil: Wir setzen uns ja immer wieder aus Überzeugung für Vielfalt und Integration ein. Mesut war dafür ein gutes Beispiel, wie viele andere unserer Mitspieler auch.»

Özil sei ihm zufolge zurecht für das einige Wochen vor dem WM-Beginn entstandene Erdoğan-Foto kritisiert worden. «Trotzdem wurde er von der sportlichen Leitung und im Mannschaftskreis absolut unterstützt», betonte Kroos. Die Art der Kritik an der Leistung bei der WM sei sicher nicht immer auf gutem Niveau gewesen. «Aber da muss man als Spieler dann durch», sagte Kroos.

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