Christen und Juden nehmen an Istanbuler Fastenbrechen teil

DAILY SABAH
ISTANBUL
Veröffentlicht 24.06.2017 14:53
Aktualisiert 26.06.2017 13:49
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Mitglieder der christlichen und jüdischen Gemeinden nahmen bei einem traditionellen Fastenbrechen-Dinner der muslimischen Gemeinde teil, das am Donnerstagabend von einer lokalen Stiftung in Istanbul veranstaltet wurde. Der stellvertretende Ministerpräsident Veysi Kaynak, der die Angelegenheiten religiöser Minderheiten beaufsichtigt, gehörte zu den Gästen des Dinners, wobei Vertreter der griechischen, armenischen, assyrischen, chaldäischen, bulgarischen, georgischen und jüdischen Gemeinden anwesend waren. Gastgeber des Abendessens war die Mardiner Stiftung MAREV aus der südöstlichen Stadt, die für ihre vielfältige Bevölkerung von Muslimen und Christen bekannt ist.

Kaynak hielt während des Fastenbrechens eine kleine Rede und sagte dabei, dass das Wort ‚Minderheit' für nicht-muslimische Gemeinden ein falscher Begriff sei, da jeder „gleichermaßen ein Bürger der Republik Türkei" sei.

„Wir sind eine vereinte Nation. Menschen von verschiedenen Glaubensrichtungen leben seit Jahrhunderten in diesem Land zusammen. Jeder respektiert den Glauben des anderen. Dies ist die wahre Definition des Säkularismus, ein Konzept, dass keinen in einem Land dazu zwingt einen bestimmten Glauben zu praktizieren", sagte er.

Kaynak sprach auch die Anfragen der Gemeinden an und sagte, dass die Religionsgemeinschaften nicht viel vom Staat verlangten. „Sie wollen, dass ihre Kinder ihre eigene Sprache in ihren eigenen Schulen lernen. Sie wollen ihre Gebetsstätten zurück, sie wollen ihre beschlagnahmten Eigentümer zurück. Dies sind niemals unangemessene Anfragen", sagte Kaynak.

Die Behörden arbeiten an einem neuen Gesetzt, um eine Reihe von Fragen bezüglich Stiftungen zu lösen. Diese sind wichtige Einnahmequellen und die kulturelle Identität der Minderheiten. Wenn das Gesetzt gebilligt wird, werden unabhängige Wahlen in diesen Stiftungen zugelassen. Dies wird eine breitere Freiheit für jene Gemeinschaften geben, die sich meist in Istanbul nach jahrzehntelanger Diskriminierungspolitik und enger Kontrolle des Staats.

Minderheiten in der Türkei wurden im 20. Jahrhundert als Bürger der zweiten Klasse behandelt. 1942 wurde eine umstrittene Vermögenssteuer in Kraft gesetzt, das auf reiche Nichtmuslime abzielte. Die Verfolgung der Minderheiten in den Jahren 1934 und 1955 und die Abschiebung der nichtmuslimischen türkischen Staatsbürger im Jahre 1964 flößte nur noch mehr Angst gegenüber dem Staat ein.

Das Demokratisierungspaket, dass vor einigen Jahren von der Regierung vorgestellt wurde, hat das Ziel die Rolle des Staats gegenüber den Minderheiten zu verändern und ihre Rechte wiederherzustellen. Der damalige Ministerpräsident und derzeitige Präsident Recep Tayyip Erdoğan kündigte 2011 an, das Hunderte von Eigentümern, die im Laufe der Jahre von Minderheiten beschlagnahmt wurden, zurückgegeben werden würden und eine Entschädigung für diejenigen ausgezahlt wird, deren Eigentümer an dritte Parteien verkauft wurden. Obwohl es keine umfassende Gesetze zur Wiederherstellung von Eigentumsrechten gibt, geben Gerichte Minderheiten ihr Eigentum zurück, unter der Voraussetzung dies beweisen zu können.

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