Armeniens Regierungschef nach Ärger um Geiselnahme zurückgetreten

AFP
ERIWAN
Veröffentlicht 08.09.2016 15:23
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Nach Kritik am Umgang der Regierung mit einer zweiwöchigen Geiselnahme im Juli hat Armeniens Ministerpräsident Howik Abrahamjan seinen Rücktritt erklärt. Er habe sich entschlossen zurückzutreten, damit Staatspräsident Sersch Sarkissjan eine neue Regierung bilden könne, sagte der 58-Jährige am Donnerstag bei einer Kabinettssitzung. Wie aus Regierungskreisen verlautete, soll der frühere Bürgermeister der Hauptstadt Eriwan, Karen Karapetjan, zum Ministerpräsidenten ernannt werden.

Rund 20 bewaffnete Regierungsgegner hatten am 17. Juli ein Polizeigebäude in Eriwan gestürmt und mehrere Geiseln genommen. Sie wollten damit den Rücktritt von Präsident Sarkissjan sowie die Freilassung von Oppositionsführer Dschirair Sefiljan erzwingen.

Nach zwei Wochen, in deren Verlauf zwei Polizisten getötet wurden, gaben die Geiselnehmer auf. Begleitet war die Geiselnahme von Protesten tausender Regierungsgegner, die die Forderung der Bewaffneten unterstützten. Bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften wurden mehr als 70 Menschen verletzt und dutzende weitere festgenommen.

Sarkissjan kündigte Anfang August die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit an. Die Opposition wirft dem seit 2008 regierenden Staatschef vor, den Lebensstandard der Menschen in der früheren Sowjetrepublik nicht verbessert zu haben. Armenien leidet unter der Wirtschaftskrise in Russland. Rund 30 Prozent der Bevölkerung lebt nach Angaben der Asiatischen Entwicklungsbank unterhalb der Armutsgrenze.

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