Deutsche Unternehmen in der Türkei lassen sich von Warnungen der Bundesregierung nicht beeinflussen

YUNUS PAKSOY @yunuspaksoy
ISTANBUL
Veröffentlicht 25.07.2017 15:15
Deutsche Unternehmen in der Türkei lassen sich von Warnungen der Bundesregierung nicht beeinflussen

Als der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel in der vergangenen Woche mögliche Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei suggerierte, wandten sich die Augen auf die über 6.500 deutschen Unternehmen, die im Land tätig sind. Trotz der Absicht Berlins, politische Angelegenheiten mit Ankara auf die wirtschaftliche Bühne zu lenken, scheinen große deutsche Unternehmen in der Türkei sich nicht von der zunehmend strengen Rhetorik der deutschen Politik beeinflussen zu lassen. Siemens ist seit über 160 Jahren in der Türkei und im ehemaligen Osmanischen Reich tätig. Der deutsche Riese beschäftigt derzeit mehr als 3.000 Arbeiter in der Türkei und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro.

Inmitten der gefährlich wachsenden Krise zwischen Ankara und Berlin, stellte sich die Frage, ob die Drohungen der Bundesregierung den bilateralen Handel oder die Zukunft der deutschen Unternehmen in der Türkei beeinträchtigen würden.

Es werde keine Auswirkungen auf die Aktivitäten von Siemens haben, sagte Siemens-Sprecher Richard Speich der Daily Sabah.

Gabriels Bemerkungen über die Beschränkungen der EU-Beziehungen mit Ankara und die geratene Vorsicht an deutsche Unternehmen in der Türkei zu investieren, erhielten in Berlin eine breite Unterstützung. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterstützte den Kurs: „Das ist auch eine Frage der Selbstachtung unseres Landes, finde ich, hier deutliche Haltsignale zu senden."

Neben dem deutschen Präsidenten und dem Außenminister, haben auch die Bundeskanzlerin Merkel und Volker Kauder von der „Christlich Sozialen Union" (CSU), die volle Unterstützung für den wirtschaftlichen Druck auf die Türkei geäußert.

Man wisse, dass die Türkei beträchtliche wirtschaftliche Probleme habe, sagte Kauder und forderte Berlin auf, verschiedene Mittel zu nutzen, um auf Ankara Druck auszuüben. Der CSU-Politiker schlug sogar eine Aktualisierung der EU-Zollunion mit der Türkei vor.

Trotz den Androhungen von wirtschaftlichen Sanktionen, zeigen sich die deutschen Unternehmen in der Türkei, ähnlich wie Siemens, nicht unbedingt betroffen.

Der deutsche Pharma-Riese Bayer, der seit mehr als 60 Jahren in der Türkei tätig ist und rund 1.400 Arbeiter beschäftigt, betonte, dass die vorübergehenden Krisen ihre Geschäfte im Land noch nie beeinträchtigt hätten.

„Unser Engagement in der Türkei ist langfristig orientiert und wird grundsätzlich nicht wegen vorübergehenden Krisen hinterfragt, so wie es in der Vergangenheit bereits mehrmals der Fall gewesen ist", sagte Hans-Bernd Schmitz, Sprecher der Bayer AG gegenüber der Daily Sabah.

Die Investitionen laufen weiter

Während die Bundesregierung nach Möglichkeiten sucht, Jahrzehnte alte türkisch-deutsche Wirtschaftsbeziehungen für einem politischen Streit zu nutzen, will Ankara den Druck, der auf deutschen Unternehmen lastet, erleichtern. „Alle deutschen Investitionen in der Türkei können zu 100 Prozent auf die Sicherheitsgarantie der türkischen Regierung, des Staates und des Gesetzes vertrauen", sagte Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci in der vergangenen Woche.

Der stellvertretende Ministerpräsident Mehmet Şimşek sagte auf Twitter, dass Ankara nach wie vor deutsche Investoren begrüße.

Bosch, ein weiterer deutscher Riese, der seit 1910 in der Türkei tätig ist, sagte, das Unternehmen habe nicht die Absicht, seine Investitionspläne zu ändern. „Es ist unser Ziel, langfristig im Land zu bleiben. Wir beabsichtigen unsere Investitionen im Jahr 2017 wie geplant fortzusetzen", sagte die Firma der Daily Sabah.

Der Präsident und Senior Manager von Bosch in der Türkei und dem Nahen Osten, Steven Young, hat angekündigt, dass das Unternehmen 2017 insgesamt 650 Millionen TL ( ca. 157.000.000 €) in der Türkei investieren werde.

Auch Siemens wird die künftigen Investitionen im Land nicht stoppen. Der Sprecher des Unternehmens sagte, dass es „derzeit keine Hindernisse für zukünftige Investitionen" gebe.

Reisewarnungen finden kein Gehör

Gabriel ließ auch eine Reisewarnungen verlauten. Der Außenminister sagte, die Sicherheitslage im Land habe sich verschlechtert und forderte die deutschen Staatsbürger daher auf, bei einer möglichen Reise in die Türkei, Vorsichtig walten zu lassen.

Auch hier scheinen die Warnungen nicht wirklich zu fruchten. Das traditionsträchtige Unternehmen Henkel sagte, dass Geschäftsreisen in die Türkei nicht von den erhöhten Reisewarnungen der Bundesregierung betroffen seien.

„Wir beobachten natürlich die jüngsten Entwicklungen in der Türkei aus nächster Nähe und stehen in engen Kontakt mit unserem lokalen Management. In Abstimmung mit der Sicherheitsabteilung sind Geschäftsreisen in die Türkei möglich", so die PR-Sprecherin von Henkel, Rabea Laakmann gegenüber der Daily Sabah. Das Unternehmen ist seit mehr als 50 Jahren in der Türkei tätig und beschäftigt über 700 Mitarbeiter.

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen