Eröffnung neuer Standorte: Der Weg der Logistikriesen soll vermehrt durch die Türkei führen

DAILY SABAH
ISTANBUL
Veröffentlicht 14.07.2018 00:00
Aktualisiert 14.07.2018 14:27
Der dänische Transport- und Logistikriese DFDS hat mit der Übernahme von U.N. Ro-Ro, einem der führenden RoRo-Unternehmen in der Türkei, im April 2018 die größte Investition 950 Millionen Euro im Logistiksektor in diesem Jahr getätigt.
Der dänische Transport- und Logistikriese DFDS hat mit der Übernahme von U.N. Ro-Ro, einem der führenden RoRo-Unternehmen in der Türkei, im April 2018 die größte Investition (950 Millionen Euro) im Logistiksektor in diesem Jahr getätigt.

Mit der Verlagerung der Produktion nach Osteuropa und den Chancen, die sich durch das Projekt „One Belt, One Road“ ergeben, haben internationale Logistikriesen begonnen, ihre Investitionen in das Brückenland Türkei zu verlagern.

Ausländische Investitionen haben in der türkischen Logistikbranche in letzter Zeit an Aufschwung gewonnen. Die Verlagerung der Produktion nach Osteuropa hat den Investitionsweg der globalen Logistikunternehmen zugunsten der Türkei verändert. Neue Chancen, die Chinas Projekt „One Belt, One Road" schaffen wird, ziehen auch Branchenriesen an. Die Unternehmen wählen die Türkei für ihre Investitionen, da das Land als Brücke zwischen Europa und Asien fungiert.

In der Zwischenzeit öffnen bestehende ausländische Unternehmen neue Handelswege, während zugleich neue Akteure auf den Markt kommen. Nach dem britischen Logistikunternehmen British Trans Global Projects (TGP), das im März in Istanbul sein erstes Büro eröffnete, hat auch P&O Ferrymasters (Dubai) ein internationales Büro in Istanbul eröffnet, während Kerry Logistics in Hongkong eine Investition von 50 LKWs tätigte, und die angebotenen Dienste auf auf Eisenbahn- und Straßenverbindungen zwischen China und der Türkei erweitert. TGP war in diesem Jahr das erste Logistikunternehmen, das den türkischen Markt betrat. Das Unternehmen ist in vielen Logistik-Sektoren tätig, unter anderem im Bereich der Projektlogistik (Schwertransporte), Airline-Logistik und Supply Chain Management. Mit seinem Büro in der Türkei will das Unternehmen ein logistisches Netzwerk zwischen seinen Kunden in Europa, dem Nahen Osten und Zentralasien aufbauen. Murat Aksu, der Leiter des Unternehmens, betonte, dass sie die Türkei als regionales Transitzentrum, vor allem im Projekttransport, positionieren werde. P&O Ferrymasters hat sein paneuropäisches Logistiknetz auf die Türkei ausgeweitet. Mit dieser Investition können Kunden in West- und Osteuropa täglich aus der Türkei auf zentralasiatische Märkte und jene im Nahen Osten zugreifen.

Produktionswege ändern sich

"Dieser strategische Schritt wird die Kapazitäten von P&O Ferrymasters für die Bereitstellung von Logistiklösungen für Kunden in Europa und Asien durch den Einsatz von Straßen-, Schienen- und Seeverkehr weiter stärken", sagte Herman Braam, Global Manager von P&O Ferrymasters. "Die Welt wird von Minute zu Minute komplizierter und wir tun unser Bestes, um die logistischen Herausforderungen unserer Kunden zu lösen. (...) Wir werden uns darauf konzentrieren, diese neuen Handelswege vor allem mit Lösungen für den Straßenverkehr zu unterstützen, um in Zukunft intermodale Lösungen anzubieten. " Das Büro des Unternehmens in Istanbul wird von einem Team geleitet, das von Duygu Can geführtwird - einem der kompetentesten Namen der Branche.

P&O Ferrymasters bietet europaweit Logistiklösungen an und bedient 20 strategische Standorte in 12 Ländern des Kontinents. Das Unternehmen betreibt Straßen-, Schienen- und Seeverbindungen, die in seine 4.000 Flotten integriert sind. P&O Ferrymasters besitzt auch ein Bahnterminal in Oradea, Rumänien, das von asiatischen Ländern über die Seidenstraße nach Großbritannien transportiert wird. P&O Ferries, eine der Gruppengesellschaften, die auf acht Hauptstrecken zwischen Großbritannien, Frankreich, Nordirland, der Republik Irland, den Niederlanden und Belgien operieren, betreibt mehr als 20 Schiffe mit 8,4 Millionen Passagieren und 2,3 Millionen Frachtstücken pro Jahr.

Das in Hongkong ansässige Unternehmen Kerry Logistics plant neue Schienen- und Straßentransporte von China nach Kasachstan, in den Kaukasus und in die Türkei zu starten. Sie bringt Fracht von der neuen eurasischen Landbrücke in Lianyungang, entlang der Baku-Tiflis-Kars-Eisenbahn, nach Kasachstan und ans Kaspische Meer. Zusätzlich zu den Schienenverkehrsdiensten wurde ein Straßentransportdienst eingeführt, indem 50 weitere LKWs zur bestehenden Flotte des Unternehmens entlang der Handelsroute von China in den Kaukasus und aus der Türkei hinzugefügt wurden. "Wir werden unsere Position in der Region stärken, in dem der Schienen- und Straßenverkehr die strategischen Regionen der Türkei und des Kaukasus erreichen", sagte Edwardo Erni, Geschäftsführer von China und Nordasien bei Kerry Logistics.

Emre Eldener, der Vorsitzende des Verbandes der internationalen Speditions- und Logistikdienstleister UTİKAD, sagte, dass sie in der Zeit nach der Wahl keine radikalen Veränderungen in diesem Sektor erwarteten - sondern mit bedeutenden Neuerungen und Änderungen in Bezug auf Gesetzgebung und Verbesserung des Investitionsklimas rechneten.

"Mit der Eröffnung des dritten Flughafens im Oktober kommt es auch zu wichtigen Weichenstellungen für Investitionen in die Bahninfrastruktur. Insbesondere die Integration unserer großen Industriegebiete und organisierten Industriezonen in das Schienennetz und deren Anbindung an die Häfen sind für unser Land und die Industrie der USA von großer Bedeutung", fuhr Eldener fort. "Wir erwarten auch bedeutende Neuerungen und Änderungen in Bezug auf die Gesetzgebung und die Verbesserung des Investitionsklimas. Wie immer sind die Einführung und Umsetzung von vereinfachten Systemen und das Funktionieren der freien Wettbewerbsdynamik unsere wichtigsten Erwartungen (...)."

Größte Investition von DFDS

Die größte Investition des Logistiksektors im Jahr 2018 ist vom dänischen Transport- und Logistikriesen DFDS getätigt worden. Nach dem Vertrag zum Kauf von U.N. Ro-Ro, einem der führenden Roll-on / Roll-off-Unternehmen (RoRo) in der Türkei im April für 950 Millionen Euro, erhielt DFDS kürzlich auch die Genehmigung des Wettbewerbsrats und die letzten benötigten Unterschriften. U.N. Ro-Ro, ein führendes Logistikunternehmen mit Sitz in der Türkei, verfügt über 12 Schiffe. Das Unternehmen betreibt fünf Linien zwischen Italien und der Türkei sowie zwischen der Türkei und Frankreich über die Häfen in Pendik und Triest.

Inzwischen haben sich auch die Investitionen in bestehende ausländische Logistikunternehmen in der Türkei gesteigert. Nach Angaben der türkischen Tageszeitung Dünya sagte der türkische Logistikriese Orkun Saruhanoğlu, der Generalmanager der türkischen Logistikkette DHL Supply Chain, dass innerhalb eines Jahres sieben Zentren - in denen die Investitionen zunahmen - in den nördlichen und östlichen Provinzen des Landes eröffnet werden sollen.

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