4,8 Prozent mehr Lohn in der Metall- und Elektroindustrie

AFP
KÖLN
Veröffentlicht 13.05.2016 11:10
Aktualisiert 16.05.2016 14:47
Stahlarbeiter der IG Metall protestieren für höhere Löhne in Köln, Deutschland, 12. Mai 2016 (Foto: Reuters / Wolfgang Rattay)
Stahlarbeiter der IG Metall protestieren für höhere Löhne in Köln, Deutschland, 12. Mai 2016 (Foto: Reuters / Wolfgang Rattay)

Im Tarifstreit in der Metall- und Elektroindustrie haben sich die Verhandlungsparteien in Nordrhein-Westfalen auf ein kräftiges Lohnplus geeinigt. Die Beschäftigten sollen 4,8 Prozent mehr bekommen, bei einer Laufzeit von 21 Monaten. Der Abschluss hat Pilotcharakter für alle Bezirke mit 3,8 Millionen Beschäftigten. Er sei ein "Beitrag zu mehr Gerechtigkeit", erklärte die IG Metall. Er sei "von Vernunft geprägt", erklärte der Arbeitgeberverband Metall NRW.

Gewerkschaft und Arbeitgeber verhandelten in einem nächtlichen Marathon 14 Stunden lang in Köln. Am frühen Freitagmorgen stand der Abschluss. Die Löhne sollen demnach ab Juli um 2,8 Prozent steigen und im April 2017 noch einmal um 2,0 Prozent. Für die Monate April bis Juni sollen die Beschäftigten eine Einmalzahlung von 150 Euro bekommen. Der Tarifvertrag soll rückwirkend von April bis Ende Dezember 2017 gelten.

Verhandelt wird immer zunächst regional. Im Laufe der Gespräche zeichnet sich dann ein Pilotbezirk ab, dessen Abschluss dann übertragen wird. Mehrere Bezirke kündigten am Freitagmorgen Verhandlungen zur Übernahme der Vereinbarungen an.

Die IG Metall hatte in dem Tarifkonflikt 5,0 Prozent mehr Lohn für ein Jahr gefordert und seit Ablauf der Friedenspflicht Ende April mit Warnstreiks und Kundgebungen Druck gemacht. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich bis Donnerstagabend rund 760.000 Beschäftigte an den Aktionen. Die Beschäftigten bekämen nun "eine deutliche Erhöhung ihrer Realeinkommen und damit einen fairen Anteil am wirtschaftlichen Erfolg", würdigte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann den Abschluss.

Die Arbeitgeber hatten zuletzt 2,1 Prozent für zwei Jahre sowie eine zusätzliche Einmalzahlung von 0,3 Prozent geboten. Der Arbeitgeberverband Metall NRW betonte, Betriebe, die eine "unterdurchschnittliche Ertragslage aufweisen", könnten die Einmalzahlung "abbedingen" oder verschieben und auch die ab April 2017 vorgesehene Tariferhöhung um drei Monate verzögern. Ob und wie ein Betrieb diese "Wettbewerbskomponente" nutzen kann, werde vor Ort zwischen den Tarifvertragsparteien vereinbart.

Metall-NRW-Chef Arndt Kirchhoff erklärte, der Trend der vergangenen Jahre zu überhöhten Tarifabschlüssen sei gestoppt. Alle Ziele seien erreicht: "nicht mehr so hoch, nicht mehr so kurz, nicht mehr so starr". Die Arbeitgeber hätten sich allerdings einen noch längeren Zeitraum gewünscht, um mehr Planungs- und Kalkulationssicherheit zu erreichen. Bezogen auf die Laufzeit betrage die Gesamtbelastung 2,45 Prozent, rechnete Kirchhoff vor.

Besonders lobte er die Wettbewerbskomponente: Ohne sie wäre ein Abschluss nicht gelungen. Sie sei vor allem für mittelständische Unternehmen eine Chance, auf wirtschaftliche Schieflagen "flexibel reagieren und wettbewerbsfähig bleiben zu können".

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