Jedes sechste Kind lebt in einem Konfliktgebiet

AFP
BERLIN
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AP

Jedes sechste Kind lebt in einem Konfliktgebiet: Zu diesem erschütternden Ergebnis kommt eine Studie, die die Kinderrechtsorganisation "Save the Children" am Donnerstag veröffentlichte. Demnach leben inzwischen 357 Millionen Kinder in Konfliktgebieten, das ist ein Anstieg um über 75 Prozent im Vergleich zu Anfang der 1990er Jahre.

Fast die Hälfte dieser betroffenen Kinder - 165 Millionen - lebe in Gebieten mit besonders schweren Konflikten. Sie hätten oft keinen Zugang zu Schulen und Gesundheitseinrichtungen und seien enormen Gewaltgefahren ausgesetzt, heißt es in dem Bericht "Krieg gegen Kinder", den die Organisation einen Tag vor Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz veröffentlichte.

Der Bericht zählt zehn Staaten auf, die für Kinder besonders gefährlich sind. Angeführt wird die Liste von Syrien, Afghanistan und Somalia. Insgesamt sind sechs afrikanische Länder dabei: neben Somalia auch Nigeria, der Südsudan, die Demokratische Republik Kongo, der Sudan und die Zentralafrikanische Republik. Auch der Jemen und der Irak werden zu den gefährlichsten Ländern gezählt.

Die Zahl der getöteten und verletzten Kinder ist dem Bericht zufolge seit 2010 fast um das Dreifache gestiegen. Gründe dafür seien etwa der Einsatz explosiver Waffen in besiedelten Gebieten sowie der Anstieg der Dauer und der Intensität von Konflikten. Immer häufiger würden "allgemeine Kriegsregeln und humanitäres Völkerrecht missachtet".

"Es ist schockierend, dass immer mehr Kinder in Konfliktgebieten aufwachsen und den schwersten Formen von Gewalt ausgesetzt sind", erklärte Helle Thorning-Schmidt, Geschäftsführerin von Save the Children International. "Kinder leiden unter Dingen, die kein Kind jemals erleben sollte. Ihre Häuser, Schulen und Spielplätze sind zu Schlachtfeldern geworden." Die frühere dänische Ministerpräsidentin forderte die Staats- und Regierungschefs der Welt auf, mehr zu tun, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

Save the Children fordert zudem mehr Konfliktprävention und Friedenssicherung sowie mehr Investitionen in den Wiederaufbau in Konfliktgebieten. Bei den Wiederaufbaubemühungen müssten Kinder im Mittelpunkt stehen. Die Kinderrechtsorganisation stützt sich in ihrem Bericht auf Zahlen der Vereinten Nationen und des Friedensforschungsinstituts Oslo.

Die menschenrechtspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Zaklin Nastic, nannte die Ergebnisse des Berichts "mehr als beschämend". Verantwortlich seien "auch diejenigen, die Waffen und anderes Kriegsgerät exportieren, ohne sich dafür zu interessieren, dass damit Menschen getötet werden", erklärte sie. Nastic forderte von der künftigen Bundesregierung "einen sofortigen Rüstungsexportstopp", "insbesondere in Kriegs- und Krisengebiete".

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