Südafrika: Herero-Stammvertretung kritisiert Armenien-Resolution des Bundestages

DAILY SABAH
ISTANBUL
Veröffentlicht 09.06.2016 14:44
Aktualisiert 09.06.2016 16:57
Gefangene Herero in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika - Anfang des 20. Jh's  (Foto: AFP/ National Archives of Namibia)
Gefangene Herero in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika - Anfang des 20. Jh's (Foto: AFP/ National Archives of Namibia)

Die Armenien-Resolution des Bundestages am 02. Juni erhält nicht nur seitens der türkischen Bevölkerung und dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan Kritik, sondern findet denselben Einwand auch aus Namibia. Die Vorsitzende des 'Ovaherero Völkermord-Komitees' (OGC-Ovaherero Genocide Committee), Esther Muinjangue, sagte der deutschen Tageszeitung "Die Welt", dass es sehr interessant sei, dass sich die Deutschen aktiv für die Armenier einsetzen „während sie ihre eigenen Angelegenheiten unter den Tisch kehren".

Muinjangue bezieht sich dabei auf den Völkermord an den Herero, den die Deutschen in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika während der Jahre 1904 bis 1908 begangenen. Der deutsche Generalleutnant Lothar von Trotha gab den Befehl, alle Angehörigen des Herero-Stammes zu töten. Schätzungsweise wurden dabei 65.000 bis 85.000 Herero und 10.000 Nama getötet.

Es gab zwei Gründe, laut den Historikern, die zu diesem Völkermord führten. Zum einen belagerten die deutschen Siedler immer größere Teile des Landes, zum anderen litten die Herero und Nama unter der rassistischen Haltung der Siedler und den Organen der Kolonialverwaltung.

OGC-Leiterin Muinjangue betonte zudem, dass der Völkermord an den Armeniern nur sieben Jahre nach dem Herero-Genozid stattfand. „Hier sprechen die Deutschen plötzlich wie selbstverständlich von Völkermord", sagte sie. „Was ist der Unterschied? Die Herero sind schwarz, die Deutschen glauben, dass sie Schwarze nicht ernst nehmen müssen. Das ist für mich die einzige Schlussfolgerung." Deutschland sei in den aktuellen Verhandlungen „wie ein Vergewaltiger, der gleichzeitig Richter ist", so Muinjangue. Notwendig sei eine höhere Instanz für die Feststellung der deutschen Schuld, mit der Beteiligung einer Herero-Stammesvertretung.

Jährlich gedenken die Herero der Opfer am Herero-Tag und bemühten sich Jahrzehnte für die offizielle Anerkennung durch die Vereinten Nationen als Opfer eines Genozids.

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