Italiens Behörden nehmen 16 „Diciotti"-Flüchtlinge auf

AFP
ROM, Italien
Veröffentlicht
DPA

Die italienischen Behörden haben am Samstag 16 Flüchtlingen aus medizinischen Gründen das Verlassen des Rettungsschiffs "Diciotti" gestattet. Das Innenministerium habe einer entsprechenden Bitte des Gesundheitsamt am Hafen von Catania stattgegeben, berichteten italienische Medien. Zuvor hätten Ärzte im Auftrag der Behörde die Migranten an Bord des Schiffs untersucht. Bei zwei von ihnen sei Tuberkulose diagnostiziert worden.

Zuletzt waren noch rund 150 Flüchtlinge an Bord des Schiffs der italienischen Küstenwache. Es hatte vergangene Woche insgesamt 190 Bootsflüchtlinge an Bord genommen. 13 von ihnen wurden sofort ins Krankenhaus gebracht. 27 unbegleitete Minderjährige durften dann am Mittwoch an Land gehen.

Die italienische Regierung verweigerte dem Schiff der Küstenwache zunächst die Einfahrt in einen italienischen Hafen. Inzwischen durfte die "Diciotti" im sizilianischen Catania anlegen, den meisten Passagieren wird aber der Gang an Land verweigert. Italiens Regierung argumentiert, das Land sei mit der Aufnahme der Flüchtlinge vom Mittelmeer überfordert. Sie verlangt, dass andere EU-Länder die Migranten aufnehmen.

Italienischen Medienberichten zufolge hörte ein sizilianischer Staatsanwalt am Samstag mehrere ranghohe Mitarbeiter des Innenministeriums in Rom an. Staatsanwalt Luigi Patronaggio aus Agrigent geht demnach im Zusammenhang mit dem Fall "Diciotti" dem Verdacht der Freiheitsberaubung, der illegalen Festnahme und des Machtmissbrauchs nach. Patronaggio wolle von den Ministeriumsmitarbeitern erfahren, warum die Migranten an Bord des Schiffes nicht an Land gelassen würden.

Der Innenminister und stellvertretende Ministerpräsident Matteo Salvini forderte den Staatsanwalt auf, ihn selbst zu vernehmen. "Er sollte mich selbst befragen und nicht Erklärungen von Beamten erwarten, die lediglich die Anweisungen des Verantwortlichen ausführen - und das bin ich", sagte der Chef der rechtsextremen Lega-Partei im italienischen Rundfunk.

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen