Gülen-Verband gesteht gegen den EU-Beitritt der Türkei gearbeitet zu haben

DAILY SABAH
ISTANBUL
Veröffentlicht 28.08.2016 13:44
Aktualisiert 28.08.2016 13:46
Präsident des EP Martin Schulz (rechts) zusammen mit Tuskon-Präsident Rızanr Meral in Brüssel, März 2015. (Foto der europarl.europa.eu)
Präsident des EP Martin Schulz (rechts) zusammen mit Tuskon-Präsident Rızanr Meral in Brüssel, März 2015. (Foto der europarl.europa.eu)

Der EU-Vorsitzende des Türkischen Industrie- und Unternehmerverbands (TUSKON), einer der aktivsten Gülen-Gruppen, gab offen zu, dass sie besonders die belgischen Abgeordneten unterstützt haben, die gegen den EU-Beitritt der Türkei seien.

TUSKON EU-Vorsitzender Serdar Yeşilyurt sagte, dass sie die Mittelrechte EVP bevorzugten, die größte Gruppe im Europäischen Parlament.

In einem kürzlich veröffentlichten Bericht der EUobserver, gab Yeşilyurt bekannt, dass der Unternehmerverband, Türkei-Reisen der europäischen Parlamentarier finanziert haben und eine beträchtliche Menge an Geld zahlten, um Zugang zu den leitenden EU-Beamten und vielen anderen Lobbyaktivitäten zu bekommen.

Yeşilyurt sagte auch, dass die mehr als 100 Treffen in Brüssel und einige in der Türkei organisiert hatten.

Diese Treffen waren nicht nur einfache Versammlungen; sie organisierten Panels, Konferenzen, Diskussionen und Delegationen.

TUSKON förderte eine Reihe von Projekten und Veranstaltungen wie diese, darunter ein Türkei-Projekt bei dem Brüsseler Think-Tank European Policy Centre (EPC), wo sie bei bestimmten Veranstaltungen das Sagen hatten, wer als Sprecher auftreten konnte. Und dies für 40.000 Euro im Jahr.

Yeşilyurt sagte, dass es ein guter Deal war und dass das Geld ungefähr zehn EPC-Veranstaltungen im Jahr deckte.

TUSKON war auch der Sponsor der Partei ‚Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa' (ALDE), für die sie 2012 10.000 Euro und 2013 12.000 Euro zahlten, um ihren Präsidenten mit den Mitgliedern des Europäischen Parlaments bei Mittagessen sprechen zu lassen.

Rızanur Meral, der Vorsitzende der TUSKON, wurde auch beim Händeschütteln mit niemand anderem als Martin Schulz gesehen, der Präsident des Europäischen Parlaments.

Meral, der voraussichtlich im Ausland ist, befindet sich unter den 23 Verdächtigen, die für die FETÖ „himmet" geschleust haben. Himmet ist das Wort für gemeinnützige Gülen-Organisationen, die für den persönlichen Gebrauch der FETÖ genutzt wird.

Die Gülen-Bewegung hatte zuvor Lobbyaktivitäten gegen die Regierung in bedeutenden Metropolen durchführt, beispielsweise Washington, Brüssel und Straßburg, was die türkische Außenpolitik negativ beeinflusst hat.

Derweil leugnen Yeşilyurt und der Direktor des Interkulturellen Dialog Plattform (IDP) Ramazan Güvenli, dass es eine „Hizmet" oder eine „Gülen-Lobby" in Brüssel gibt. Es soll nur „eine lose Gemeinschaft" geben, die „die Ideen Gülens teilen".

‚Erste Zweifel'

Einige Abgeordnete fanden den Einfluss der Gülenisten in Brüssel ziemlich koordiniert und politisch, mehr als die Anhänger der Gruppe behauptet haben.

Marietje Schaake, eine niederländische liberale Europaabgeordnete sagte, dass die eine starke Lobbyarbeit geleistet haben, waren aber nicht immer transparent über ihre geförderten Ideen gewesen.

‚Gülen und getäuschte EPs'

Der EU-Botschafter der Türkei, Selim Yenel, bat am 11. August um Verständnis der Verbündeten in Europa und dem Militärbündnis NATO und sagte, dass „wir Glück hatten", dass der Putschversuch der Gülenisten vereitelt wurde.

Er erklärte der EUobserver, dass es für nicht-Türken schwer ist zu verstehen, was der Gülenisten-Terrorkult für eine Gefahr für die demokratisch gewählte Regierung sei.

„Aber jeden Tag kommen neue Beweise ans Tageslicht, wie intensiv er (Gülen) seine Leute überall infiltrierte. Generäle, Richter, Botschafter…", sagte er.

Yenel sagte, dass die Hizmet sich als eine intellektuelle und reformistische Gruppe darstelle, und somit die MEPs täusche. Denn ihr eigentliches Ziel ist es einen islamischen Staat basierend auf Gülens eigenen Ideen zu schaffen.

„Manche MEPs waren Bereit alles zu glauben, was über ihn gesagt wurde, besonders wenn die Kritik von den Türken kam."

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen