Nach Anschlag: Deutschland sichert Afghanistan Hilfe zu

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BERLIN
Veröffentlicht 23.04.2017 00:00
Aktualisiert 23.04.2017 13:46
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Nach dem bislang schwersten Angriff auf einen Militärstützpunkt der afghanischen Armee hat die Bundesregierung der Regierung in Kabul ihre Unterstützung zugesichert.

Deutschland stehe an der Seite derjenigen, die sich "gegen den Terror wenden und für eine friedliche, demokratische Zukunft ihres Landes einsetzen", schrieb Bundeskanzlerin Angela Merkel an Präsident Aschraf Ghani.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sagte zu, die Bundeswehr werde die Afghanen weiter dabei unterstützen, "eigene Sicherheitskräfte in ihrem Land auszubilden".

Bei dem Angriff auf das Armee-Hauptquartier in Masar i-Scharif im Norden Afghanistans wurden Regierungskreisen zufolge mindestens 140 Soldaten getötet. Die terroristische Taliban bekannte sich zu der Tat.

Merkel sprach von einem "hinterlistigen, brutalen Angriff der Taliban". Von der Leyen sagte der "Bild am Sonntag": Der Anschlag bestärke die Bundesregierung in ihrer Absicht, "dem Terror die Stirn zu bieten".

Im Camp Schahin sind im Rahmen des Nato-Einsatzes "Resolute Support" rund 70 ausländische Militärberater tätig, darunter auch deutsche Soldaten. Sie oder andere ausländische Soldaten kamen nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam und der Nato nicht zu Schaden. Auf einem Nato-Stützpunkt am anderen Ende der Stadt sind etwa 1600 Soldaten aus 20 Nationen stationiert, darunter 700 Deutsche.

Taliban: Angriff war Vergeltung

Der Anschlag war afghanischen Regierungskreisen zufolge der bislang folgenschwerste Angriff auf einen Militärstützpunkt in dem Land. Bis zu zehn Taliban-Kämpfer in Armeeuniformen stürmten am Freitag auf den Stützpunkt Camp Schahin des 209. Armeekorps. Sie griffen die Soldaten mit Panzerfäusten und Gewehren an, als diese nach dem Freitagsgebet die Moschee verließen. Selbstmordattentäter zündeten Sprengstoffwesten.

Über die Zahl der Todesopfer gab es auch zwei Tage danach keine klaren Angaben. Das Verteidigungsministerium in Kabul sprach von mehr als 100 Toten oder Verletzten. In Regierungskreisen hieß es, mindestens 140 Soldaten seien getötet worden. Ein Sprecher der Taliban sprach von bis zu 500 getöteten Soldaten.

Der Angriff sei Vergeltung für die Tötung mehrerer ranghoher Rebellenführer, sagte der Taliban-Sprecher. Vier der Angreifer seien in die Armee eingeschleust worden. Sie hätten dann dort einige Zeit Dienst getan. Dies wurde von der afghanischen Armee nicht bestätigt.

Ghani, der am Samstag den Stützpunkt in Masar-i-Scharif besuchte, ordnete für Sonntag einen nationalen Trauertag zu Ehren der getöteten Soldaten an.

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