Facebook sperrt palästinensische Accounts

AMIRA RAJAB
ISTANBUL
Veröffentlicht 30.09.2016 12:07
Aktualisiert 30.09.2016 13:52
Reuters

Letzte Woche sperrte das soziale Netzwerk Facebook die vier Accounts von Redakteuren der Shehab News Agency, sowie drei weitere von Mitarbeitern des Quds News Network. Beide Nachrichtenseiten berichten über aktuelle Geschehnissen in den von Israel belagerten palästinensischen Gebieten.

Beide Websiten erfreuen sich hoher Beliebtheit und großer Zustimmung weltweit: Allein die Shehab News Agency erreicht 6,3 Millionen Likes auf ihrer Facebookseite. Das Quds News Network liegt nur kurz dahinter: 5,1 Millionen Menschen gefällt die Nachrichtenseite.

Schon zum vierten Mal in diesem Jahr sind die Redakteure von sozialen Medien zensiert worden, berichtet Rima Mubara, Leiter der Shehab news agency, nach Angaben der Hufftington Post. Eine Überraschung war die Sperrung nicht mehr. Grundlos sei sie trotzdem, in den Augen der Accountbesitzer. Keiner der verantwortlichen Redakteure habe eine Idee gegen welche Regeln sie verstoßen haben könnten.

Einem offiziellen Statement von Facebook zufolge, seien die Accounts nicht mit Absicht gesperrt worden. Es handele sich dabei um einen Fehler.

Musa Rimawi, Vorstand von MADA, dem Palästinensischen Center für Entwicklung und Pressefreiheit sieht Israel als Drahtzieher hinter der Aktion: „Israel will nicht, dass die Geschichten über Gewalt in denen von ihnen besetzten Gebieten an die Weltöffentlichkeit geraten", sagte er.

„Sie wollen nicht, dass wir unsere Meinung äußern. Gleichzeitig wollen sie uns nicht persönlich zum Schweigen bringen. Stattdessen machen sie es einfach durch Facebook", sagt Abu Arafeh, einer der Redakteure der Shehab News Agency.

Palästinensische Aktivisten starteten daraufhin eine Onlinekampagne, um ein Zeichen – auch beim Social Media-Giganten selbst – gegen ungerechtfertigte Sperrung palästinensischer Facebookaccounts zu setzen. Unter dem Hashtag #FBcencorspalestine erreichte die Kampagne weltweite Aufmerksamkeit. Gleichzeitig wurde zum Boykott von Facebook aufgerufen.

Die Aktivisten beschuldigen vor allem Israel als Drahtzieher hinter der Zensierung. Ein kürzlich zuvor stattgefundenes Treffen zwischen der israelischen Regierung und Vorstehern von Facebook, habe nach Angaben von Facebook nichts mit den Vorfällen zu tun.

Die israelische Regierung wurde schon des Öfteren beschuldigt, palästinensische Aktivisten Mundtot zu machen. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 400 Palästinenser aufgrund ihres Auftretens in sozialen Medien verhaftet.

Facebook selbst distanziert sich von den Vorwürfen auf israelischen Befehl hin Accounts gesperrt zu haben. „Unsere Treffen mit der Regierung Israels waren Teil eines langanhaltenden Projekts mit weltweiten Regierungsvertretern", erklärte ein Bericht von Facebook. „Wir schätzen die Stimmen, Meinungen und Rechte von all unseren Mitgliedern auf Facebook und wir werden alle beschützen und mit ihnen zusammenarbeiten, egal welcher Rasse oder Religion sie angehören. Palästinensische Stimmen sind auf Facebook so sicher wie die von allen anderen Plattformen."

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